Ludwigsburg/Tamm/Murr (p). Zahlreiche Angehörige der sogenannten Posing-, Tuning- oder Eventszene haben sich am Samstag auf dem Parkplatz eines Einkaufszentrums in der Heinkelstraße in Ludwigsburg getroffen, um an einem über Soziale Medien beworbenen „Autotreffen“ teilzunehmen. Dabei war nach Angaben der Polizei der Zulauf in den Abendstunden so groß, dass bereits gegen 20 Uhr die Parkflächen und ein Teil eines Parkhauses nahezu ausgelastet waren.
Erhebliche Verkehrsbeeinträchtigungen
Nach Schätzung der Einsatzkräfte waren im Verlauf des Abends in der Spitze mehr als 800 Fahrzeuge sowie bis zu 2000 Personen vor Ort. Dadurch kam es auf dem Gelände des Einkaufszentrums sowie den umliegenden Straßen zu teils erheblichen Verkehrsbeeinträchtigungen, von denen auch unbeteiligte Verkehrsteilnehmende und der Busverkehr betroffen waren.
Absperrungen werden missachtet
Im Laufe der Veranstaltung kam es zu teils massiven Lärm- und Geruchsbelästigungen, da Fahrerinnen und Fahrer von Autos und Motorrädern immer wieder laut ihre Motoren aufheulen oder Reifen durchdrehen ließen und über den Parkplatz drifteten. Einige Motorradfahrende umfuhren zudem Absperrungen und gelangten so in eines der Parkhäuser. Dort sorgten sie durch starke Beschleunigungen für extremen Lärm, der auch die Anwohnerschaft im Bereich des Tammer Wohngebiets Hohenstange massiv in ihrer Ruhe störte und zu zahlreichen Anrufen bei der Polizei führte.
Teilnehmer behindern Polizeieinsatz
Elf Streifenwagenbesatzungen des Polizeipräsidiums Ludwigsburg waren im Einsatz, um Zu- und Abfahrtskontrollen durchzuführen und Verstöße auf dem Parkplatzgelände zu ahnden. Dabei wurden die Beamten durch die Teilnehmenden des „Autotreffens“ teilweise erheblich behindert. Kontrollen wurden beispielsweise durch dutzende Personen beobachtet und lautstark kommentiert. Außerdem wurde immer wieder aufgestelltes Absperrmaterial entfernt, um gesperrte Flächen nutzen oder Polizeikontrollen umfahren zu können. Am Sonntagmorgen gegen 1.30 Uhr entspannte sich die Situation und eine Abreisewelle setzte ein. Etwa eine Stunde später waren dann nur noch vereinzelte Personen und Fahrzeuge auf dem Parkplatz.
Zahlreiche Ordnungswidrigkeiten
Während des „Autotreffens“ wurden bei Kontrollen zahlreiche Ordnungswidrigkeiten festgestellt und geahndet. Unter anderem wurden 13 Fahrererinnen und Fahrer wegen Verursachung unnötigen Lärms zur Anzeige gebracht. Bei sieben Fahrzeugen waren unzulässige Veränderungen vorgenommen worden, die zum Erlöschen der Betriebserlaubnis führten. Eine 17-jährige Jugendliche wurde fahrend auf einem Leichtkraftrad angetroffen, obwohl sie nicht über die erforderliche Fahrerlaubnis verfügte und zudem die Betriebserlaubnis des Motorrads erloschen war. Gegen sie und den 23-jährigen Halter des Leichtkraftrads wurden entsprechende Strafverfahren eingeleitet.
Illegales Autorennen auf der A 81
Im Umfeld des „Autotreffens“ fanden mehrere verbotene Kraftfahrzeugrennen statt. Gegen 23.10 Uhr rasten beispielsweise zwei Fahrer mit einem VW und einem orangefarbenen BMW mit Schweizer Kennzeichen auf der A 81 von Heilbronn kommend in Richtung Stuttgart. Dabei fuhren sie bei deutlich überhöhter Geschwindigkeit von etwa 200 km/h teilweise nebeneinander und versuchten, sich über Betätigung der Lichthupe freie Fahrt zu verschaffen. Eine Streifenwagenbesatzung, die nur mit Mühe auf die Fahrzeuge aufschließen konnte, stoppte den VW im Bereich des Parkplatzes Engelberg und kontrollierte den 20-jährigen Fahrer sowie dessen 21-jährigen Beifahrer. Dem Fahrer des BMW gelang unerkannt die Flucht über die Autobahn in Richtung Stuttgart. Die Verkehrspolizeiinspektion Ludwigsburg hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht Zeugen, die Angaben zu der grob verkehrswidrigen Fahrweise der beiden Autofahrer machen können. Insbesondere werden Personen gesucht, die durch das Verhalten des 20-Jährigen oder des noch unbekannten BMW-Fahrers gefährdet wurden. Entsprechende Hinweise werden unter Telefon 07 11 / 6 86 90 oder per E-Mail an stuttgart-vaihingen.vpi@polizei.bwl.de entgegengenommen.
Waghalsige Manöver mit dem Motorrad
Kurz vor 1 Uhr stellte eine Zivilstreife der Polizei vier Motorräder fest, die bei Tamm von der B 27 kommend auf die A 81 in Richtung Stuttgart auffuhren. Dort beschleunigten sie stark, zogen von der Einfädelspur sofort auf die linke Fahrspur und rasten mit überhöhter Geschwindigkeit bis zur Anschlussstelle Stuttgart-Zuffenhausen. Dort wechselten sie auf die B 10 in Richtung Stuttgart und beschleunigten auf bis zu 170 km/h – bei zulässigen 80 km/h. Ein Fahrer versuchte, bei geschätzten 120 km/h einen sogenannten Wheelie zu machen, bei dem das Vorderrad vom Boden abhebt. Dabei erlitt sein Motorrad einen technischen Defekt, sodass alle vier Personen anhielten und sicher kontrolliert werden konnten. Gegen die drei Männer im Alter von 23, 24 und 35 Jahren sowie eine 29-jährige Motorradfahrerin wird nun wegen verbotenem Kraftfahrzeugrennen ermittelt.
Porschefahrer entkommt
Am Sonntagmittag gegen 13 Uhr wurde ein neuerliches verbotenes Kraftfahrzeugrennen in Murr gemeldet. Dort stellten zwei Fahrer ihre Fahrzeuge – einen Mercedes und einen Porsche – nebeneinander in der Gottlieb-Daimler-Straße auf, um gleichzeitig zu starten und in Richtung Rudolf-Diesel-Straße zu rasen. Die hinzugezogene Streifenwagenbesatzung entdeckte den Mercedes kurz darauf auf einem Tankstellengelände in der Robert-Bosch-Straße und unterzog den 30-jährigen Fahrer einer Kontrolle. Ihn erwartet nun eine Strafanzeige wegen der Teilnahme an einem verbotenen Kraftfahrzeugrennen. Der Fahrer des Porsche konnte trotz der Fahndung unerkannt entkommen.

