Ludwigsburg (p). Getunte Fahrzeuge, sportliche Autos, aufheulende Motoren: Das Polizeipräsidium Ludwigsburg hat in den vergangenen Wochen die sogenannte Posing-, Tuning- und Eventszene kontrolliert.
Inoffizieller Startschuss für die Saison ist der Karfreitag
Schon seit Jahren gilt der Karfreitag – in entsprechenden Szenen auch als „Car-Friday“ bekannt – als inoffizieller Startschuss in die Saison. Um von Anfang an Flagge zu zeigen und darauf zu achten, dass alles geordnet abläuft, kontrollieren Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Ludwigsburg regelmäßig Fahrzeuge und ihre Fahrer. Eine solche Kontrollaktion fand im Rahmen des Fahndungs- und Sicherheitstags Ende März in Böblingen statt. In den Monaten April und Mai stehen zudem auch Zweiräder im Fokus der Kontrollkräfte – wobei dies nicht nur Motorräder, sondern beispielsweise auch Fahrräder, Pedelecs und E-Scooter betrifft.
Das möchte die Polizei erreichen
Auch Anfang April wurde kontrolliert. „Ziel dabei war es nicht, autobegeisterten Menschen den Spaß an ihren Fahrzeugen zu verderben, sondern die schwarzen Schafe zu identifizieren, die sich beispielsweise durch illegales Tuning oder ihr Fahrverhalten über Recht und Gesetz hinwegsetzen und damit auch die Sicherheit anderer gefährden“, erklärt die Polizei.
In sechs Fällen untersagen die Polizisten die Weiterfahrt
Bei dem Einsatz wurden 75 Fahrzeuge und 87 Personen kontrolliert. Auch wenn dabei mehrheitlich nichts zu beanstanden war, hatten die Kontrollkräfte viel zu tun: 16 Fahrzeuge waren technisch so verändert worden, dass keine Betriebserlaubnis mehr vorlag. In sechs Fällen waren die Veränderungen und Mängel laut Polizei so gravierend, dass eine Weiterfahrt mit den Fahrzeugen untersagt werden musste.
Zu schnell unterwegs und bei Rotlicht über die Ampel
Neben solchen Tuning-spezifischen Verstößen wurden weitere Straftaten und Ordnungswidrigkeiten zur Anzeige gebracht. Drei Fahrer waren ohne gültige Fahrerlaubnis unterwegs. Drei Fahrer waren auf der Autobahn um mehr als 40 Stundenkilometer zu schnell, sodass sie nun ein Bußgeld sowie ein Fahrverbot erwartet. Weitere Verstöße waren zum Beispiel Unterschreitungen des Sicherheitsabstands, unerlaubtes Rechtsüberholen, ein Rotlichtverstoß, nicht eingehaltene Rettungsgassen oder Nutzung des Standstreifens.
Aufheulende Motoren, übertriebenes Beschleunigen
Sich mit Gleichgesinnten zu treffen und das eigene Fahrzeug zu präsentieren, ist grundsätzlich nicht zu beanstanden. Wenn allerdings durch übertriebenes Beschleunigen, durchdrehende Reifen oder lautes Aufheulenlassen des Motors die Aufmerksamkeit anderer erregt werden soll, wird das als Posing bezeichnet. Beim Posing werden rechtliche Grenzen überschritten und teilweise auch andere Personen gefährdet.
Autofahrer drehen Donuts und lassen Motoren aufheulen
Alleine im ersten Quartal dieses Jahres wurden in den Landkreisen Ludwigsburg und Böblingen mehr als 40 Fahrerinnen und Fahrer zur Anzeige gebracht, die mit ihren Boliden Kreise mit Reifenabrieb auf der Fahrbahn hinterlassen haben – sogenannte Donuts – oder mit durchdrehenden Reifen und lautem Aufheulen des Motors unnötigen Lärm verursachten. Die Polizei merkt allerdings an, dass es dabei nur um das sogenannte Hellfeld handelt – also um die Fälle, in denen eine verantwortliche Person von der Polizei angetroffen wurde. Das Dunkelfeld dürfte dem gegenüber wahrscheinlich deutlich höher sein, vermuten die Polizisten.
Illegale Rennen: extrem gefährlich
Ein extrem gefährliches Phänomen sind verbotene Kraftfahrzeugrennen. Dabei sei der Begriff leicht missverständlich, erklärt die Polizei. Denn gemeint seien nicht nur Rennen mehrerer Fahrzeuge gegeneinander. „Vielmehr kann der Tatbestand auch verwirklicht werden, wenn einzelne Personen mit ihren Fahrzeugen grob verkehrswidrig und viel zu schnell fahren, um eine höchstmögliche Geschwindigkeit zu erreichen.“ Ebenfalls erfasst sind Fluchten vor der Polizei, um sich beispielsweise einer Verkehrskontrolle zu entziehen.
Wie gefährlich derartige Verhaltensweisen sein können, hat der Ausgang des illegalen Rennens im März vergangenen Jahres in Ludwigsburg gezeigt. Zwei junge Frauen starben. Allein im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Ludwigsburg 23 verbotene Rennen zur Anzeige gebracht.
Für das aktuelle Jahr zeichnet sich bislang keine Entspannung ab: Seit Jahresbeginn wurden im Landkreis Ludwigsburg zehn Fälle registriert. Beim überwiegenden Teil der festgestellten Kraftfahrzeugrennen handelte es sich um Verfolgungsfahrten mit der Polizei, um sich einer Kontrolle zu entziehen, beispielsweise wegen fehlender Fahrerlaubnis, Einfluss von Alkohol oder zur Verdeckung anderer Straftaten. Die Polizei gibt zu bedenken: „Bei der teilweise halsbrecherischen Fahrweise ist es oft dem Zufall überlassen, ob es zu einem Verkehrsunfall kommt oder nicht.“
Nicht jedes Tuning ist illegal
Tuning: Die Polizei versteht darunter optische oder technische Veränderungen an Fahrzeugen, um diese individueller oder sportlicher erscheinen zu lassen. Wer sich dabei an die geltenden Vorschriften hält, hat nichts zu befürchten. Illegal werden Tuning-Maßnahmen nur dann, wenn dadurch die Betriebserlaubnis von Fahrzeugen erlischt, die Verkehrssicherheit beeinträchtigt wird, Lärmemissionen die Grenzwerte überschreiten oder überhohe Schadstoffwerte die Umwelt belasten. Bei Weitem nicht jeder Kfz-Umbau ist also verboten, aber nicht alles, was technisch möglich ist, ist auch zulässig.

