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So läuft ein Beratungsgespräch bei der Diakonie Vaihingen ab

Das Geld der VKZ-Spendenaktion unterstützt das Vaihinger Tierheim und die Diakonische Bezirksstelle Vaihingen. Mitarbeiter erzählen, mit welchen Methoden sie in den Beratungen arbeiten. 

  • Der zerknüllte Schein versinnbildlicht den gleichbleibenden Wert des Menschen.  Foto: Rücker

    Der zerknüllte Schein versinnbildlicht den gleichbleibenden Wert des Menschen. Foto: Rücker

  •  Jana Ruhl von der Sozial- und Lebensberatung der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen. Archivfoto: p

    Jana Ruhl von der Sozial- und Lebensberatung der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen. Archivfoto: p

Vaihingen (p). Bei der diesjährigen Spendenaktion stehen die Diakonische Bezirksstelle Vaihingen und das Vaihinger Tierheim im Mittelpunkt. Heute stellt die Diakonische Bezirksstelle in Vaihingen ein Beratungsangebot vor. Dies ist die letzte Folge der diesjährigen VKZ-Spendenaktion.

„Was soll mir da Beratung helfen?“ Mit dieser skeptischen Frage kämen viele Menschen zur Ehe-, Familien- und Lebensberatung, kurz EFL-Beratung, in die Diakonische Bezirksstelle Vaihingen. Sei es der Ehemann, der von seiner Frau zur Paarberatung „geschleppt“ wird, der Teenager, der wegen Schulverweigerung von seinen Eltern gebracht wird, oder die Klientin aus der Schuldnerberatung, der von einer Kollegin angeraten wurde, wegen ihrer andauernden depressiven Stimmung einen Termin in der EFL-Beratung zu vereinbaren.

Eines haben diese Menschen oft gemeinsam: die Sorge, dass sie viele unangenehme Fragen beantworten und über schwierige Themen sprechen müssen. Hinzu kommt eine gewisse Skepsis, ob dieses „Gerede“ überhaupt etwas bewirken kann.

Diese Skepsis ist manchmal auch berechtigt – vor allem dann, wenn man das Gefühl hat, schon unzählige Male über ein Problem gesprochen zu haben, ohne dass sich etwas geändert hat.

In solchen Fällen brauche es neue Ideen oder Methoden, um zu einem Aha-Moment zu gelangen.

Ein Beispiel aus der Paarberatung

Viele kennen die Situation: Man streitet darüber, wer was wie gesagt hat, und fühlt sich vom anderen überhaupt nicht verstanden. Beide sind überzeugt, recht zu haben. Hier kann eine Paarberatung helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Ein Beispiel: Die Beraterin hält eine Box mit Taschentüchern zwischen die Partner und bittet sie, zu beschreiben, was sie sehen. Der eine sieht eine Schachtel mit Blumenmuster, einer Öffnung und einem Taschentuch, das herausragt. Der andere beschreibt die gleiche Schachtel jedoch als weiße Box ohne Öffnung.

Plötzlich wird klar: Wir nehmen Dinge unterschiedlich wahr. Dieses Bild bleibt oft besser im Gedächtnis als reine Worte. Es hilft, beim nächsten Streit zu akzeptieren, dass der Partner oder die Partnerin dieselbe Situation anders erlebt hat. Es geht dann nicht mehr darum, wer „recht“ hat, sondern darum, sich gegenseitig zu verstehen.

Ein Beispiel aus der Arbeit mit Jugendlichen

Ein junger Mann kommt zur EFL-Beratung. Seine Eltern haben ihn geschickt, weil er unter massiver Prüfungsangst bis hin zu Suizidgedanken leidet.

Mit Hilfe von Figuren aus Filmen und Serien wird sein „inneres Team“ sichtbar gemacht – also die Gedanken und Stimmen, die in ihm wirken.

Auf die Frage: „Was ist dein erster Gedanke, wenn du nach Hause kommst?“, antwortet er: „Oh je, jetzt noch für die Schule lernen.“ Er wählt Obelix mit dem Hinkelstein als Symbol für diesen Gedanken und stellt die Figur weit von sich weg. Der zweite Gedanke lautet: „Erst mal chillen.“ Dafür wählt er Balu den Bären und stellt ihn nah zu sich.

Schritt für Schritt werden weitere Gedanken visualisiert und in einer Reihenfolge aufgestellt. Am Ende fragt die Beraterin, ob diese Gedankenaufstellung hilfreich ist, um sein Ziel – den Schulabschluss – zu erreichen. Gemeinsam überlegen sie, welche Gedanken stärker in den Vordergrund treten sollten oder welche neuen Gedanken er „einstellen“ könnte.

Er entscheidet sich für den Gedanken: „Ich habe mehr Kraft, als ich denke.“ Als Symbol dafür wählt er Superman, den er als kleine Unterstützung sogar mit nach Hause nimmt.

Der 50-Euro-Schein und der eigene Wert

Eine Frau kommt in die Beratung und erzählt eine bedrückende Geschichte von Erniedrigungen und Demütigungen durch ihren Partner und ihren Arbeitgeber. Sie sagt, sie fühle sich wertlos und nutzlos.

Die Beraterin nimmt einen 50-Euro-Schein aus ihrem Geldbeutel und fragt die Frau: „Was ist dieser Schein wert? Ist er für Sie wertvoll?“ Die Frau bejaht.

Dann zerknüllt die Beraterin den Schein und fragt: „Hat Ihr Partner oder Ihr Arbeitgeber Sie so behandelt?“ Die Frau nickt. Die Beraterin wirft den Schein auf den Boden, tritt darauf und drückt ihn fest in den Boden. Wieder fragt sie: „Ist das das, was Ihnen passiert ist?“

Am Ende hebt die Beraterin den Schein auf, glättet ihn und fragt erneut: „Was ist dieser Schein wert?“ Die Antwort lautet: „Immer noch 50 Euro.“

Die Botschaft: Der Schein hat zwar Knitterfalten und Spuren davongetragen, was ihm widerfahren ist, aber an seinem Wert hat sich nichts geändert – genauso wie der Wert dieser Frau, trotz allem, was sie erlebt hat.

Beratung ist manchmal anders, als man denkt

Diese Beispiele zeigen: Beratung kann viel mehr sein als „nur Reden“. Mit kreativen Methoden und frischen Perspektiven wird oft ein neuer Zugang zu schwierigen Themen gefunden. Es lohnt sich, Skepsis beiseitezulegen und offen zu sein für neue Wege.

So können Sie spenden:  Weitere Informationen gibt es im Internet auf diakonie-vaihingen.de. Die VKZ-Spendenaktion läuft bis zum 6. Januar. Das Spendenkonto bei der Kreissparkasse Ludwigsburg hat folgende IBAN: DE90 6045 0050 0008 8140 78. Bitte bei der Überweisung als Betreff „VKZ-Spendenaktion“ angeben.

Ehe-, Familien- und Lebensberatung

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung (EFL) bietet Menschen in schwierigen Lebenssituationen vertrauliche und professionelle Unterstützung. Die Diakonische Bezirksstelle arbeiten auf Grundlage eines christlichen Menschenbildes und einem systemischen Ansatz, der darauf setzt, Stärken und Ressourcen zu entdecken, um neue Perspektiven zu entwickeln – unabhängig von Nationalität oder Religion.

Die Finanzierung der EFL-Beratung erfolgt nur zu einem kleinen Teil aus Kirchensteuermitteln. Ein weiterer Anteil wird durch die Beiträge der Klienten gedeckt, doch nicht jede oder jeder kann diesen leisten. Ein großer Teil der Arbeit wird deshalb aus Spenden finanziert.

Spenden: Mit einer Spende im Rahmen der VKZ-Weihnachtsaktion werden wertvolle und dringend benötigte Beratungskapazitäten geschaffen und dadurch erreicht, Menschen in Krisen den Zugang zu dieser Unterstützung zu ermöglichen.

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