Liebe Leser,
brav lodernd hinter der Ofentür ist ein Feuerchen derzeit unser guter Freund. Aber wild und ungestüm kann es auch schnell zum Feind werden. Heute geht’s um die Verbrennung – die gute und die schlechte und um die Menschen, die Schadfeuer bekämpfen.
Zu Beginn der Woche war der Schreck groß, als ein Wohnhaus in Aurich den Flammen zum Opfer fiel. Glücklicherweise wurden keine Menschen verletzt. Eher zart besaitete Individuen wie ich können schon von Ferne den Anblick eines solchen Feuers nicht ertragen. Feuerwehrexperten wie Kollege Ralph Küppers dagegen sehen vor Ort vor allem die Gefahrenlage und spulen Erlentes praktisch oder vor ihrem geistigen Auge ab.
Wie schön kann doch so ein Feuerchen sein, wenn es brav gezähmt als Lagerfeuer, im Boller- oder Kachelofen vor sich hin-knistert. Dann handelt es sich um ein sogenanntes Nutzfeuer. Aber wehe, wehe, wehe, wenn es außer Kontrolle gerät. Dann wird der heimelige Feuerschein mitunter zur todbringenden Gefahr, und die Rede ist von einem Schadfeuer.
Die Zähmung des Feuers bedeutete für unsere Vorfahren einen großen Schritt in Richtung Menschwerdung. Wie schon mal an dieser Stelle berichtet, hatte Homo erectus wohl schon vor gut einer Million Jahre herumgezündelt. Bei der Zusammenrottung um ein Lagerfeuer herum mit gemeinsamer Nahrungsaufnahme konnte sich das soziale Band innerhalb der Gruppe festigen.
Feuer ist chemisch gesprochen ein Verbrennungsvorgang, bei dem es sich um eine Reaktion handelt, bei der sich die Partner um Elektronen zanken und schließlich einer mehr davon bekommt (Reduktion) als der andere (Oxidation) und bei der Energie frei wird. Das Ganze wird dann als exotherme Redoxreaktion bezeichnet. Bei den meisten Feuergeschehen wirkt Sauerstoff als Oxidationsmittel und wird reduziert.
Der Mann oder die Frau aus der Feuerwehr kennt die „Zutaten“ eines Feuers vom sogenannten Verbrennungsdreieck: Zeitgleich müssen für dessen Entstehung ein brennbarer Stoff, Sauerstoff und Zündenergie am selben Ort sein. Aktueller noch wird vom Brandtetraeder gesprochen, bei dem auch die Erhaltung des Verbrennungsprozesses Eingang findet – ohne die selbsterhaltende chemische Kettenreaktion geht das Feuer von selbst wieder aus. Klassische Beispiele für die Oxidation durch Sauerstoff sind alle Arten der Verbrennung von kohlenstoffhaltigen Substanzen unter Luftsauerstoff, beispielsweise die Verbrennung von Kohle, Holz, Benzin im Motor und Kerzen. Die exotherme Reaktion läuft erst ab, wenn eine Aktivierungsenergie hinzugefügt wurde.
In einer ganz gemächlichen, sehr bedächtigen und kontrollierten Form und ohne Feuerschein läuft Oxidation in jeder unserer Zellen ab. Dies wird als stille Verbrennung oder auch Autoxidation bezeichnet. Auch hier wird in kleinen Häppchen Energie freigesetzt, die in unseren Körperzellen gleich wieder in chemischen Bindungen eingefangen wird. Damit schafft sich der Körper einen transportablen Energiespeicher, der den „Kraftstoff“ für die Muskelzellen und Co. bereithält, bekannt als Energietransportmolekül mit dem Namen Adenosintriphosphat, kurz ATP.
Sauerstoff ist also ein Wahnsinnsstoff und zudem der häufigste auf der Erde – das chemische Element macht gut 50 Prozent der Masse der terrestrischen Atmosphäre und Erdkruste aus. Eine besondere Frage, die Professor Dr. Manfred Schüssler, Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung, bei Wissenschaft im Dialog beantwortet, lautet: Warum brennt die Sonne im Weltall ohne Sauerstoff? Bei der Verbrennung mit Luft wie beim Feuer, werden Bindungen zwischen Atomen aufgebrochen und neue Bindungen eingegangen. Die Energie, die in den verbrennenden Molekülen „verbaut“ war, wird nun als Licht und Wärme freigesetzt, die Atome selbst bleiben jedoch unverändert, erklärt der Professor. Auf der Sonne dagegen wird Energie durch Kernfusion freigesetzt, indem Wasserstoff- zu Heliumatomen werden und dabei Unmengen von Engerie freiwerden (Näheres hierzu später, vielleicht auch erst im nächsten Leben – es handelt sich nämlich um Kernphysik).
Auf der Sonne wären selbst sie chancenlos, aber auf der Erde machen die Feuerwehrleute mit ihrer Brandbekämpfung einen Superjob. Dazu brauchte es aber zunächst die Gründung der Feuerwehren und das richtige Equipment. Die Feuerwehr, wie wir sie heute kennen, existiert noch gar nicht so lange. Viele Erfindungen und Entwicklungen zahlreicher Pioniere wie die Optimierung der Schläuche waren vonnöten, um den Einsatz effizient zu machen. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts sind Feuerwehren, die einigermaßen funktionstüchtig waren, gegründet worden.
Die Freiwillige Feuerwehr Durlach reklamiert auf ihrer Homepage, aus der ältesten freiwilligen Feuerwehr Deutschlands, dem 1846 durch den Durlacher Stadtbaumeister Christian Hengst und den Spritzenfabrikanten Carl Metz gegründeten Pompier-Corps hervorgegangen zu sein. Wie Günter Strumpf in einer Publikation des Vereins zur Förderung des Deutschen Branschutzes schreibt, liefert Maschinenfabrikant Metz 1846 eine Stadtspritze Nr. 2. Stadtbaumeister Hengst will nun das Bahnen eines Löschangriffsweges einer völlig neuen Personengruppe, den Steigern, übertragen und braucht dafür statt zwölf bis zu 60 Mann. Am Karlsruher Hoftheater nimmt Metz im Herbst mit einer Lösch- und Rettungsprobe an einer Ausstellung teil und just dieses Theater brennt am 28. Februar 1847. Ursache war wohl eine schadhafte Gasbeleuchtung. Im Haus waren mehrere Türen aus Sparmaßnahmen verschlossen und gar mit Latten zugenagelt, was vielen Besuchern zum Verhängnis wurde. Mehr als 60 Menschen starben.
In der außerordentlich schnellen Ausrückzeit von nur 26 Minuten erreichte jedoch das Pompier-Corps mit seiner Stadtspritze die sieben Kilometer entfernte Einsatzstelle, schreibt die Feuerwehr Durlach. Anscheinend hatten die sportlichen Floriansjünger, viele davon waren Turner, die umliegenden Gebäude erklommen, um von dort die Gebäude zu schützen und den Brand zu bekämpfen. Die Wehrleute können das Gebäude retten, kommen zu Bekanntheit und werden zum Vorbild anderer Feuerbekämpfer.
Ein dramatischer Brand in Öschelbronn am 10. September 1933 schrieb „nationale Feuerwehrgeschichte“, wie zum 80. Jahrestag zu lesen war. Bei der Feuerkatastrophe mussten schwäbische und badische Wehren feststellen, dass ihr Schlauchkupplungen nicht kompatibel waren. 25 Prozent der Bevölkerung wurden obdachlos. Reichskanzler und Diktator Hitler kam von Berlin in den Unglücksort und ließ Öschelbronn 1934 als nationalsozialistisches Musterdorf im fränkisch-alemannischen Stil wieder aufbauen. Für die Feuerwehren in ganz Deutschland wurde eine einheitliche Schlauchkupplung – die Storzkupplung – als Norm eingeführt.
Inzwischen gibt es in Deutschland laut dem Deutschen Feuerwehrverband fast eine Million Menschen, die sich in der freiwilligen Feuerwehr engagieren (Stand Ende 2014). Davon sind immerhin 87 511 weiblich. Mindestens 3,5 Millionen Einsätze sind aufgelistet, davon mehr als 2,2 Millionen Notfallrettungen und 175 354 Brände und Explosionen.
Also, liebe Feuerwehrler, egal ob freiwillig oder nicht, vielen lieben Dank! Und auch dem am häufigsten eingesetzten Löschmittel, unserem Wasser. Wieso löscht Wasser eigentlich die meisten Brände? Wasser entzieht dem Brand beim Verdampfen in erster Linie unheimlich viel Energie, denn es müssen die Wasserstoffbrücken zwischen den Wassermolekülen geknackt werden, wodurch die Zündtemperatur schließlich unterschritten wird. Zudem verdrängt der Wasserdampf einen Teil des Sauerstoffs rund um den Brandherd.
Aber das beste Löschwasser und die beste Feuerwehr sind letztendlich die, die man gar nicht braucht.
Anregungen zur Serie per E-Mail an
s.ruecker@vkz.de

