Stuttgart

Wo Kunst auf Nachbarschaft trifft

Im Lehenviertel eröffnet der neue Kunstkiosk Parri Blank mit einem interessanten Konzept.

  • Der neue Parri Blank Kiosk von Carla Benzing und Simon Nalbatow wird keine gewöhnliche Zweitdependance.Foto: Max Kovalenko

    Der neue Parri Blank Kiosk von Carla Benzing und Simon Nalbatow wird keine gewöhnliche Zweitdependance.Foto: Max Kovalenko

Stuttgart - Noch riecht es nach frischgestrichener Farbe, die Fensterfronten sind abgeklebt. Neugierige Passanten lugen durch den Türspalt in die Räume. „In den ersten Tagen hatten wir sicher hundert Besucherinnen und Besucher aus der Nachbarschaft, die wissen wollten, was hier passiert“, sagt Carla Benzing lachend. Sie und ihr Mann und Galeriepartner Simon Nalbatow sind noch fleißig am Renovieren.

Genau ein Jahr ist es jetzt her, als eine Besucherin in der Galerie Parri Blank erzählte, dass sie die Inhaberin des Hängemattenladens am Eck Immenhoferstraße/Alexanderstraße sei. Der Eckladen, nur wenige Meter von der Galerie entfernt, gefiel Carla Benzing und Simon Nalbatow schon immer. „Wenn Sie den Laden jemals aufgeben möchten, dann würden wir sehr gerne davon erfahren“, sagte Nalbatow zur Inhaberin, die keine Sekunde zögerte und den beiden das Ladengeschäft anbot. Noch an diesem Abend war klar, dass die Galerie einen zweiten Standort bekommen würde. „Es ging so schnell und nun ist ein Jahr vergangen und wir bereiten alles für die Eröffnung vor“, erzählt Carla Benzing aufgeregt.

Kunst ohne Berührungsängste

Dabei wird der Parri Blank Kiosk keine gewöhnliche Zweitdependance. „Wir möchten die Hemmschwelle, einen Raum mit Kunst zu betreten, so gut es geht, aus dem Weg räumen“, erklärt Benzing. Wer am Schaufenster vorbeikommt, soll Kunst nicht nur gezielt als Galeriebesuch erleben, sondern auch beiläufig entdecken können. Der neue Kiosk versteht sich zwar als Erweiterung des Programms von Parri Blank, hat aber ein ungewöhnliches Konzept: Im Mittelpunkt des neuen Formats steht „One: One – Artist invites Artist“. Das Prinzip: Eine Künstlerin oder ein Künstler präsentiert eine eigene Arbeit und lädt zugleich eine weitere künstlerische Position ein. Auf diese Weise soll sich von Ausstellung zu Ausstellung ein Netzwerk entwickeln.

Für die erste Ausgabe übernimmt der Künstler Fabian Treiber die Einladung. Er stellt eine eigene Arbeit einer Position der Künstlerin Shanee Roe gegenüber. Treiber ist mit Einzel- und Gruppenausstellungen international vertreten. Roe wurde 2026 mit dem art Karlsruhe-Preis ausgezeichnet und gilt als eine junge Position der zeitgenössischen Kunst. Für „One : One“ treffen die beiden erstmals in einer direkten Gegenüberstellung aufeinander. Die Künstlerkooperationen wechseln dabei alle vier Wochen, wie die beiden Galeristen erklären.

Zwischen Mythos und digitaler Kunst

Neben Ausstellungen wird es im Hinterraum auch einen kleinen Shop geben. Hinzu kommen Pop-ups, Kooperationen, Gespräche und Veranstaltungen. Ziel ist es, Künstlerinnen und Künstler mit Sammlerinnen und Sammlern zusammenzubringen. Und wer noch mehr Kunst sehen möchte, kann in der Hauptgalerie der beiden vorbeischauen. Dort zeigt Parri Blank vom 12. September bis 30. Oktober die Ausstellung „Oddkin. Der Lurlei“ des Künstlers Tim Berresheim. Ausgangspunkt ist die sagenumwobene Loreley. Berresheim verbindet in seinen Arbeiten Malerei, digitale Bildtechniken und Skulptur. Zu sehen sind unter anderem neue hybride Gemälde sowie eine Skulptur, die auf zwei historischen Holzfiguren aus dem Kölner Stadtmuseum basiert.

Parri Blank Kiosk, Immenhoferstraße 45, Stuttgart-Süd, Donnerstag und Freitag von 10 bis 18 Uhr, samstags von 10 bis 13 Uhr und nach Vereinbarung, Eröffnung am 17. September, www.parriblank.com

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