Stuttgart - In den Stadtbahnen der SSB dürfen Fahrräder mitgenommen werden. Ausgenommen sind die morgendlichen und abendlichen Spitzenstunden an Werktagen. Zwischen 6 und 8.30 Uhr sowie zwischen 16 und 18.30 Uhr sind die Bahnen für Radler und ihre Fahrzeuge tabu. Und auch was ein Fahrrad ist, klärt das städtische Verkehrsunternehmen auf seiner Webseite: Es müsse „zweirädrig, einsitzig“ sein, „maximal 2 Meter Länge“ aufweisen und „maximal 40 Kilogramm wiegen“ und es müsse „mit Pedalen“ versehen sein.
Männerstimme ermahnt, Frauenstimme informiert
So weit, so klar. Wer dagegen verstößt, wird entweder vom Fahrpersonal per Lautsprecherdurchsage darauf hingewiesen oder es ertönt im Fahrgastraum eine automatisierte Ansage. Die wird von einer Männerstimme gesprochen, wohingegen die wiederkehrenden Ansagen zu den Haltestellen und dortigen Umsteigemöglichkeiten von einer Frauenstimme vorgenommen wird.
Dahinter steckt die Absicht der SSB, mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. „Um diese Durchsagen von den gewohnten und erwarteten Ansagen der Haltestellen zu unterscheiden, hat man eine andere Stimme gewählt. Würde die jeweilige Fahrerin oder Fahrer über das Mikrofon sprechen, hätte das einen ähnlichen Effekt: Es ist nicht die gewohnte Stimme von Dorothee Roth“, sagt eine SSB-Sprecherin.
Die Schauspielerin und Sprecherin, die in Stuttgart geboren und in Marbach am Neckar aufgewachsen ist, leiht den SSB seit Jahren ihre Stimme. Nur bei den Sonderansagen, die auf Verstöße hinweisen sollen, wird eben nicht auf sie zurückgegriffen. Die vorformulierten Ordnungsrufe müssen von den Fahrerinnen und Fahrern der Bahnen selbst ausgelöst werden.
Verkehrsbetriebe experimentieren mit KI-Technik
Eine automatisierte Erkennung von Verstößen wie die Fahrradmitnahme in Sperrzeiten findet im Bereich der SSB nicht statt. Andere Verkehrsbetriebe experimentieren mit Lösungen, die auf Künstliche Intelligenz zurückgreifen. „AI Watch“ heißt das System, das etwa die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) seit etwas mehr als einem Jahr erprobt. Bis Ende des Jahres 2026 soll es in jedem dritten Zug verbaut sein. Gefördert wird das vom Bundesverkehrsministerium und soll vor allem das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste erhöhen. Das System wertet die Bilder der Kameras im Inneren der Bahnen aus und soll Gefahrensituationen erkennen.
Die automatisierten Durchsagen bei den SSB fokussieren sich auf andere Zustände in den Bahnen, etwa wenn Fahrgäste das Schließen der Türen blockieren oder direkt im Einstiegsbereich stehen bleiben und so weiteres Zusteigen erschweren. Auch für „Hinweise auf störend laute Nutzung von Lautsprechern oder eben die Beachtung von Fahrradmitnahme-Sperrzeiten“, gebe es vorgefertigte Durchsagen, erklärt die SSB-Sprecherin. Ausgelöst werden diese aber durch einen Befehl aus dem Führerstand und nicht automatisiert.
