Stuttgart - Die Verkehrssituation am Olgaeck, die Baustellen in der Stadtmitte oder auch die Begrünung eines Schwallbauwerks am Fildertunnel – in einem rund zweistündigen Rundgang machte sich OB Frank Nopper nun ein Bild von den Sorgen, Beschwerden und Anliegen der Bewohner der Stuttgarter Mitte. Rund 20 Bürger sowie die Bezirksvorsteherin Veronika Kienzle begleiteten ihn und erzählten von ihren Problemen.
Ein zentrales Anliegen stellte die Sicherheitslage für Fußgänger am Olgaeck und am Charlottenplatz dar: „Die Straßenbahn ist recht breit, dahinter kommt direkt die Straße und die Fußgänger sind mittendrin“, klagte ein Bürger. „Das ist ein Schulweg, da müssen auch Schüler rüber.“ Als Problem identifizierte der Mann die völlig überladene Verkehrssituation. Fünf Stadtbahn- und drei Buslinien kreuzen abgesehen vom Auto- und Fußverkehr das Olgaeck.
Das Thema kochte zuletzt auch deshalb hoch, weil 2025 an einer Fußgängerfurt der Kreuzung eine schwere Mercedes G-Klasse in eine Gruppe Menschen fuhr. Eine Frau überlebte den Unfall nicht, acht Menschen, darunter Kinder, wurden teilweise schwer verletzt. Infolge des Unfalls führte die Stadt am Olgaeck eine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Stundenkilometern ein und beauftragte ein externes Ingenieurbüro mit einem Sicherheitsaudit, also einer Überprüfung und Analyse der Verkehrssituation.
Dieses Sicherheitsaudit soll im Herbst noch, also vor dem 21. Dezember, fertig werden, gab OB Nopper nun am Freitag bekannt. Im Anschluss sollen sich dann die Gremien der Stadt mit der Frage auseinandersetzen, wie Fußgänger besser eingebunden und geschützt werden können. Nopper versprach außerdem, die Ampelschaltung am Charlottenplatz zu prüfen. Diese bevorzugt aktuell den Autoverkehr, sodass Fußgänger und Radfahrer lange warten müssen.
Ein anderes Thema am Olgaeck beschäftigte eine weitere Bürgerin: „Die Baustelle an der Kreuzung geht mir auf den Deckel“, sagte sie. Die Lage sei sehr unübersichtlich. Sie schlug vor, die Bauzäune unter anderem als Leitsystem zu nutzen. OB Nopper betonte, dass es sich hier um eine private Baustelle handle, weswegen er sie nicht ohne Weiteres aufheben könne. Er werde mit dem Bauamt sprechen und versuchen, mit der Privatperson eine Lösung herbeizuführen. Ein weiterer möglicher Lösungsansatz liege darin, einen geschlossenen Weg in Richtung Stadtpalais zu öffnen.
Während des anschließenden Spaziergangs von einem Halt zum Nächsten, beschwerte sich einer der Teilnehmer über die Baustellen in der Stadtmitte. So zeigte er beim Vorbeigehen auf die Landesbibliothek, deren Hauptgebäude seit 2022 saniert wird. „Das ist unfassbar, das sind Steuergelder, die da verbaut worden sind. Ich weiß selbst nicht, wann das fertig werden soll.“ Auch über Projekte wie Stuttgart 21 regte er sich auf. Ein Kritikpunkt, den der OB wohl häufiger zu Ohren bekommt. Weiter ging es über die Staatsgalerie zum Fildertunnel, vor dem ein Schwallbauwerk errichtet wurde, um bei einem Feuer die Rauchschwaden rauszuziehen. Der graue, wellenförmige Betonklotz könnte nun in Zukunft bepflanzt werden. Alexander Bieß, Kybernetiker am Institut für Architektur der Hochschule Anhalt, präsentierte dem Oberbürgermeister seinen Begrünungsvorschlag. Die Stadtverwaltung unterstütze die Idee, verkündete Nopper, merkte jedoch gleichzeitig an, dass das Schwallwerk der Deutschen Bahn gehöre und so deren Begrünungsvorgaben beachtet werden müssten. „Wir werden auf die Bahn zugehen und das ansprechen“, so der Oberbürgermeister.
Aufregung über andere Stuttgarter Großprojekte
Im Nachgang und auch während der Veranstaltung zeigten sich die Teilnehmer größtenteils zufrieden mit dem OB. Eine Bürgerin, die sich beschwerte, dass Falschparker am Hospitalplatz nicht verfolgt würden, fühlte sich ernstgenommen. Sie war zufrieden mit seiner Antwort und fand es gut, dass der OB eine solche Tour macht. Eine weitere Frau schloss sich dem an. Der OB und seine Frau seinen gute Leute.

