Stuttgart

Wann wird Villa Hajek aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt?

Seit Jahren verfällt die farbenfrohe Villa des Künstlers Otto Herbert Hajek an der Hasenbergsteige in Stuttgart. Nun gibt es nach Gerichtsverhandlungen und langem Stillstand eine überraschende Wende.

  • Der Villa Hajek an der Hasenbergsteige in Stuttgart droht zum Lost Place zu verkommen, einer Sanierung stehen Hürden im Weg.Foto: Golombek

    Der Villa Hajek an der Hasenbergsteige in Stuttgart droht zum Lost Place zu verkommen, einer Sanierung stehen Hürden im Weg.Foto: Golombek

Stuttgart - Viele nutzen die Zeit zwischen den Jahren, um auf dem Schreibtisch aufzuräumen. Was ist erledigt, was ist noch zu tun? In der Politik wird dafür häufig die Sommerpause genutzt – und so sind auch in Stuttgart einige Anfragen zu Themen im Schwebezustand gestellt worden. Da wäre etwa die Frage, wie es eigentlich der einst stolzen und schönen Villa Hajek in der Stuttgarter Hasenbergsteige 65 geht?

Die Älteren erinnern sich: Der Unternehmer Markus Benz hatte die Villa des Bildhauers Otto Herbert Hajek samt 27-Ar-Grundstück im Jahr 2011 erworben und wollte sie umbauen. Sie verfällt aber seither zusehends. Nicht recht voran ging es auch wegen Streitigkeiten mit dem Denkmalamt: In einem Urteil aus dem Jahr 2019 hatte der Verwaltungsgerichtshof in Mannheim entschieden, dass der Besitzer der Hajek-Villa das von ihm komplett entkernte Gebäude in den seit 2008 unter Denkmalschutz stehenden Zustand zurückbauen muss.

Stuttgarter Villa droht der Verfall

Jahrelang geschah nichts – dann machte der frisch gekürte Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper die Causa zur Chefsache. Unsere Zeitung berichtete 2021, die Stadt „werde sich des Schandflecks an der Hasenbergsteige annehmen“. Gespräche mit dem Sohn Urban Hajek fanden statt. Im Mai, so die damalige Abmachung, werde man sich wieder zusammensetzen. „Sozusagen als begleitende künstlerische Maßnahme für das zweite Gespräch mit dem Oberbürgermeister und dem für Kultur zuständigen Ersten Bürgermeister Fabian Mayer.“

Dann aber hieß es, vorerst geschehe nichts. Was auch den Eigentümer nicht erfreut haben dürfte. Damals äußerte er sich so: „Die Stadt ist jetzt am Zug, nur sie kann Bewegung in die verfahrene Situation bringen.“

Im August 2022 war immer noch nichts geschehen – abgesehen davon: Die damalige Linke-Kommunalpolitikerin Laura Halding-Hoppenheit sagte, dass es eine Schande sei, wie die Kulturstadt Stuttgart mit dem Erbe von einem ihrer größten Künstler umgehe.

Politiker besorgt um die Stuttgarter Villa des Künstlers

Bei einem aktuellen Besuch vor Ort sieht man hinter einem Zaun die farbige Fassade des Hauses, drumherum wucherndes Grün, Büsche, Bäume, Gras, über das schon lang keiner mehr gelaufen ist. Ein Haus im Dornröschenschlaf auf dem Weg zum Lost Place. Die Dixi-Toilette vor dem Tor gehört offensichtlich zu einem Nachbarhaus, dort zumindest werkelt an dem Tag ein Handwerker.

Die Fraktion Freie Wähler – Unterzeichnende sind Laura Halding-Hoppenheit, Rose von Stein, Axel Brodbeck, Gerhard Veyhl, Michael Schrade – fragen in nun in einem Antrag an die Stadt, der auch unserer Zeitung vorliegt, warum immer noch nichts passiert ist und ob dem Gebäude „der endgültige Verfall“ droht.

In dem Antrag erinnert wird an eine Pressemitteilung vom März 2023. Da „schrieb die Stadtverwaltung, dass die Landeshauptstadt Stuttgart nicht länger bereit sei, den fortschreitenden Verfall der Villa Hajek zu dulden. Baubürgermeister Peter Pätzold habe den Eigentümer der Villa dazu aufgefordert, bis spätestens zum 21. April 2023 einen Bauantrag einzureichen, der die denkmalschutzrechtlichen Belange berücksichtige.“

Bauantrag bei der Stuttgarter Behörde

Die Stadtverwaltung habe den Ausschuss für Stadtentwicklung und Technik danach nochmals zuletzt im Frühjahr 2024 über den Sachstand bei der Villa Hajek informiert. Nun „fragen wir hiermit an, was sich seither getan hat und wie sich die Situation heute darstellt“, so die Antragsteller.

Wer sich bei der Stadt nach der Causa erkundigt, erhält von einem Sprecher die Antwort, man möge sich gedulden. „Laut dem Referat wird die Anfrage erst nach der Sommerpause beantwortet, ein genauer Zeitpunkt dafür steht noch nicht fest.“

Die Villa gehört weiterhin Markus Benz. Er hat sich jetzt schon auf Anfrage unserer Zeitung schriftlich geäußert: „Ein Konzept für die Villa Hajek ist zusammen mit der Denkmalschutzbehörde erarbeitet – ein Einvernehmen ist hier erzielt. Der Bauantrag ist gestellt.“ Von Seiten Markus Benz’ sei derzeit nichts mehr zu tun. Er „erwartet in naher Zukunft eine Baugenehmigung.“

So wie es aussieht, liegt also der Ball beim Stuttgarter Baurechtsamt – bis dort Anträge angenommen und bewilligt werden, kann es allerdings noch dauern.

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