Der Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat mit dem Islam nichts zu tun. Das jedenfalls sagen fast alle islamischen und auch die islamistischen Verbände. Doch das ist falsch. Denn dann standen die Kreuzzüge auch nicht mit dem Christentum und die Zerstörung der Babri-Moschee im indischen Ayodhya nicht mit dem Hinduismus in Beziehung.
Die Menschen berufen sich auf ganz unterschiedliche Art auf ihre jeweilige Religion. Die heiligen Bücher lassen genügend Spielraum dafür. Und so gibt es tolerante Muslime, die die Tatsache, dass Juden, Christen, Hindus und „Ungläubige“ auf dem Planeten leben, für Allahs Willen halten und für gut befinden – und es gibt Islamisten, die alle Nichtmuslime als minderwertige Menschen verachten.
Die meisten Islamisten, das gehört auch zur Wahrheit, verzichten auf Gewalt – jedenfalls hierzulande. Aber viele bereiten den Nährboden für Radikalisierungen. Sie nötigen in Frankreich, England und auch in Deutschland Mädchen in schwarze Ganzkörperverhüllung, lassen liberaleren Muslimen keinen Raum, unterlaufen Demokratie und Justiz mit Hasspredigten und informellen Streitschlichter, den „Friedensrichtern“, sie zwingen Frauen in die Ehe und wollen letztlich Kalifat und Scharia für alle. Dabei gehen die islamistischen Verbände und die vielen vom türkischen Staat geschickten oder von Katar finanzierten Imame mit einiger Raffinesse vor. Offiziell begrüßen die meisten das Leben in einer Demokratie und nehmen auch gerne Geld für Integrationsarbeit an. Sie verurteilen Gewalt, finden aber, dass homosexuelle Handlungen Verbrechen sind, auf die eigentlich die Todesstrafe steht. Als Hunderte islamistische Syrer auf dem Berliner Alexanderplatz ein Massaker an Drusen feierten, das im syrischen as-Suweida verübt wurde, geschah das ausdrücklich im Namen Allahs. Und als jetzt in Berlin ein IS-Anhänger am Rande des Christopher Street Days in eine Menschenmenge raste, eine Frau tötete und viele Teilnehmer verletzte, war viel Bedauern seitens der Islamverbände zu hören, aber weder Täter noch Opfer wurden explizit genannt.
Kritisiert man solche Verbände, spricht gar über Verbindungen zur Muslimbruderschaft, wird schnell der Vorwurf des „antimuslimischen Rassismus“ laut. Dabei wird in vielen Moscheen und Koranschulen nicht gerade zu Toleranz aufgerufen. In manchen deutschen Schulen dominieren junge Islamisten und unterdrücken nicht zuletzt jene Mitschüler, die es mit dem Ramadan und den Kleidungsvorschriften nicht so genau nehmen.
Das darf sich die Gesellschaft nicht gefallen lassen – und nicht ignorieren. Religionsfreiheit darf nicht zum Rechtsbruch führen – und schon gar nicht darf Religion zum Gesetz werden. Es bedarf der Auseinandersetzung mit rigorosen Kleidungsvorschriften, mit Kinderehen, Antisemitismus und Rassismus gegenüber nationalen und religiösen Minderheiten wie Kurden, Aleviten und Jesiden. Denn Deutschland ist das Land aller, die hier leben. Das schließt Rechte und Pflichten ein, bestimmt aber nicht den Anspruch auf religiöse Allmachtsfantasien.
Die nie richtig vollzogene Säkularisierung Deutschlands macht die Sache nicht einfacher, aber sie wäre auch kein Allheilmittel, wie das Beispiel Frankreich zeigt. Man muss es schon ernst meinen, wenn man sagt, es dürfe keine Parallelgesellschaften geben. Und das heißt: Man muss sich kümmern und miteinander reden. Es heißt aber auch, dass sich Muslime bewegen müssen. Sie sind nicht allein für den Kampf gegen Islamisten zuständig, aber sie sind es eben auch. Es geht nur gemeinsam – zum Wohl der gesamten Gesellschaft.
