Stuttgart - Ein Vorfall am Rande des Cannstatter Volksfestumzugs am Sonntag sorgt auch noch in der Woche danach für ordentlich Diskussion. Der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper nahm Aktivisten des „Kollektivs Tierbefreiung Stuttgart“ ein Protestbanner ab, das sie vor der Pferdekutsche entrollten, auf der er saß. Die Demonstranten beschwerten sich daraufhin öffentlich in einer Pressemitteilung und teilten mit, dass sich einer ihrer Mitstreiter bei der Aktion leicht an der Hand verletzt habe.
Die Polizei geht diesem Vorwurf bislang nicht nach. Wie Jens Lauer, Sprecher des Polizeipräsidiums Stuttgart, nun erklärt, liegt den Beamten kein Strafantrag vor. Die Aktivisten haben nach eigener Aussage bislang darauf verzichtet, die Verletzung bei der Polizei anzuzeigen.
Wurden die Aktivisten „weggezerrt“?
In einem anderen Punkt widerspricht Lauer der Darstellung der Gruppe. Die Aktivisten hatten in einer Pressemitteilung geschrieben, weitere Demonstranten seien von der Polizei „von der Straße gezerrt und abgeführt“ worden. Nach Angaben der Polizei wurden die fünf Personen lediglich aufgefordert, die Umzugsstrecke zu verlassen. Weder Ordner noch Polizisten hätten dabei unmittelbaren Zwang angewandt, sagt Lauer. Festgenommen oder in Gewahrsam genommen worden sei niemand. Auf einem Video, das im Netz kursiert, ist zumindest zu sehen, wie die Demonstranten geschoben werden.
Der Polizeisprecher sagt, dass die Aktion zuvor nicht angemeldet war. Grundsätzlich seien allerdings auch spontane Versammlungen möglich. Lauer: „Das bedeutet jedoch nicht, dass eine Versammlung auf der Strecke eines laufenden Umzugs stattfinden kann.“ Die Polizei habe den Demonstranten eine alternative Versammlungsfläche zugewiesen. Diese hätten sie nicht genutzt.
Das Netz diskutiert Noppers Reaktion
Auch im Netz wurde der Vorfall kontrovers diskutiert. Einige Nutzer kritisierten Noppers Verhalten und hätten sich von dem Oberbürgermeister mehr Gelassenheit gewünscht. Ein Kommentator verwies darauf, dass die Aktivisten friedlich protestiert hätten. Eine andere Nutzerin schrieb, es sei offenbar einfacher, ein Plakat „aus der Hand zu reißen“, als sich mit dem Thema auseinanderzusetzen. Andere Nutzer verteidigten dagegen Noppers Vorgehen.
Die Aktivistinnen und Aktivisten des „Kollektivs Tierbefreiung Stuttgart“ kritisierten den Einsatz von Tieren beim Cannstatter Volksfestumzug. Nach ihrer Darstellung wurden mehr als ein Dutzend Schweine mit Holzbesen weitergetrieben. Auch Pferde, Ochsen, Kühe und Ziegen seien nach Ansicht der Gruppe unnötigen Transporten sowie Lärm durch Klatschen und Musik ausgesetzt. Der Einsatz der Tiere in der lauten und engen Innenstadt sei aus Sicht der Aktivisten „Missbrauch“ und habe nichts mit Brauchtum oder Tradition zu tun. OB-Sprecherin Susanne Kaufmann erklärte, Nopper habe den Demonstranten das Plakat abgenommen, weil er darin eine Gefahr für den laufenden Umzug gesehen habe. Zudem habe sich die Ehefrau des Oberbürgermeisters durch die Demonstranten bedroht gefühlt

