Stuttgart

Stuttgart freut sich auf die Nationalelf

So schön kann Fußball sein! Eine irre Stimmung wie im Stadion herrscht bei 30 000 Fans auf dem Schlossplatz, da das deutsche Team gegen Dänemark gewinnt.

  • Die Fanzone als absolute Partyzone: Beim Spiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark feierten die Anhänger ausgelassen.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski (2)/Zophia Ewska

    Die Fanzone als absolute Partyzone: Beim Spiel der deutschen Mannschaft gegen Dänemark feierten die Anhänger ausgelassen.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski (2)/Zophia Ewska

Stuttgart - Der Traum vom EM-Sieg lebt! Theatralisch verläuft die Nacht beim Spiel von Deutschland gegen Dänemark. Während in Dortmund ein Unwetter mit Sturm und Blitz aufzieht, das Spiel unterbrochen werden muss, nimmt der Sturm der Fans auf dem zeitweise geschlossenen Schlossplatz (30 000 dürfen rein) Orkanstärke an.

„Berlin, Berlin, wir fahren Berlin“, ruft die Masse – aber erst einmal ist Stuttgart dran, wo das Viertelfinale am Freitag ausgetragen wird. Spätestens seit der WM 2006 weiß die deutsche Fußballnation sowieso: „Stuttgart ist viel schöner als Berlin!“

Nicht nur die Fans im viel schöneren Stuttgar, sind happy, dass ein wichtiges Ziel auf dem Weg ganz nach oben erreicht ist – auch Jörg Klopfer, der Sprecher von in.Stuttgart, atmet spätnachts auf: „Dass unsere Nationalelf nach Stuttgart zurückkehrt, ist genau das, was wir uns gewünscht haben!“

Etliche Wirte der Fanzonen hoffen, dass die Geschäfte doch noch brummen. Angesichts hoher Standgebühren hörte man, die EM bedrohe bei einigen die Existenz.

 

Sicherheitsdebatte im Hintergrund

Im Freudentaumel der Fans scheint die Messerstecherei auf dem Schlossplatz vergessen. Was auffällt: Die Kontrollen dauern nun etwas länger. Auch die Schuhe werden nun abgetastet, manche müssen sie auch ausziehen, was bisher nur selten der Fall war. Die Polizei kann in der Nacht nach dem Deutschland-Spiel „einen absolut friedlichen Verlauf“ melden. 

Getränke für Einsatzkräfte

Fußball ist in Stuttgart auch ein Politikum. Der CDU-Landes- und Fraktionsvorsitzende Manuel Hagel bringt bei einer tropischen Temperatur von 34 Grad den Einsatzkräften der Polizei am Schlossplatz gekühlte Getränke. Er bedankt sich für ihre Arbeit und will wissen, wie es um ihre Verpflegung steht, über die zuletzt heftig diskutiert wurde. Tatsächlich hört er viel Kritik an den Lunchpaketen, die mitunter nicht für alle ausreichten und oft nicht satt machten.

„Da hatte man acht Jahre Zeit, sich auf die EM vorzubereiten“, sagt ein Beamter, „und die Organisation der Verpflegung ist, um es höflich auszudrücken, unbedarft.“ Der CDU-Landeschef verspricht, sich der Sache anzunehmen – deshalb muss er sich wohl an einen Parteifreund wenden. Denn das für die Polizei zuständige Innenministerium wird von CDU-Minister Thomas Strobl geführt.

Wasser für die Fans

Kostenloses Wasser gibt es im Inneren der Fanzone an Trinkbrunnen. Doch Behälter zum Auffüllen darf man nicht aufs Gelände nehmen. Wer bei der starken Hitze ins Schwitzen gerät, muss aus der Hand trinken – oder sich Getränke an den Ständen kaufen.

Mit Wein kann man übrigens nicht auf den deutschen Sieg anstoßen. Der Alkoholgehalt darf nur eine gewisse Grenze in den Plastikbechern erreichen, weshalb es nur Weinschorle gibt. Auch müssen alle Wirte auf Uefa-Geheiß ihre Namen oder ihr Firmenlogo von den Ständen entfernen – dies gilt ebenso für den SWR. Ein schwarzer Containerblock steht auf dem Ehrenhof – der Sender musste das SWR-Logo abnehmen.  

Demo vor dem Stadion

Während sich die Uefa in der Fanzone durchgesetzt hat, ist ihr dies vor der Arena am Neckar nicht gelungen. Worüber die „heute-show extra“ im ZDF klagt, dass nämlich an den Stadien ein Verbot von politischen und religiösen Versammlungen herrscht, trifft auf Stuttgart nicht zu. Dort haben Jurastudierende erreicht, dass sie auf der Mercedesstraße unweit des Arena-Eingangs beim Spiel Ungarn gegen Belgien nach unserer Berichterstattung demonstrieren durften.

Obwohl die DFB-Elf in Stuttgart euphorisch bejubelt wird, haben die Fans einen Buhmann ausgemacht: Bei der Einwechslung von Waldemar Anton, den abtrünnigen VfB-Kapitän, gibt es ein lautes Pfeifkonzert.  

Begehrte Tickets fürs Viertelfinale

Der Kampf um die letzten freien Plätze beim Viertelfinale in Stuttgart hat begonnen. Im Netz werden Karten für die (mittlere) Kategorie 3 zum Preis von 800 Euro (regulär: 100 Euro) angeboten. Das günstigste verfügbare VIP-Ticket liegt momentan bei brutto 3867,50 Euro. Wenn man zwei Karten zu diesem Preis nimmt, bekommt man einen Parkplatz am Stadion dazu.

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