Stuttgart

Stars, Clubnächte und Charity mit Signalwirkung

Fast ausverkaufte Hauptbühnen und neue Club-Acts: Die Jazz Open präsentieren mit Überraschungsgast Curtis Stigers ihr restliches Programm für 2026 inklusive Charity und Awards.

Stuttgart - Das Programm steht – und der Andrang ist enorm: Wenn die Jazz Open vom 1. bis 12. Juli in ihre 32. Ausgabe gehen, werden rund 65 000 zahlende Gäste in der Stadt erwartet. Hinzu kommen etwa 10 000 Besucherinnen und Besucher bei den kostenfreien Open-Stages-Konzerten. Die beiden Hauptspielstätten sind bereits ausverkauft oder stehen kurz davor. Für Festivalmacher Jürgen Schlensog ein klares Signal: Das stilistisch breit aufgestellte Konzept mit hochkarätigen Künstlerinnen und Künstlern trifft den Nerv des Publikums. Bei einer Pressekonferenz haben die Veranstalter nun die noch fehlenden Namen für die Club-Stages, das Bix-Jazzclub-Programm, das SpardaWelt Eventcenter sowie die Vergabe des Wolfgang Dauner Awards bekannt gegeben. Die großen Headliner für den Schlossplatz und das Alte Schloss waren bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht worden.

Millionen von Alben hat er verkauft, seine Hits wie „I Wonder Why“ sind Klassiker: Aus London ist Überraschungsgast Curtis Stigers angereist, um vor Vertretern von Medien und Sponsoren die Jazz Open in den höchsten Tönen zu loben. Seine Stimme ist rau, soulig, wandelbar: Das Konzert des 60-jährigen US-Stars mit der SWR Big Band am 3. Juli im Alten Schloss ist bereits ausverkauft – ein weiteres Indiz für die enorme Nachfrage.

Schlossplatz: Weltstars im Ehrenhof

Vom 6. bis 12. Juli verwandelt sich der Ehrenhof des Neuen Schlosses erneut in eine Open-Air-Bühne. Den Auftakt am 6. Juli bildet Nick Cave bei seiner Jazz-Open-Premiere mit seinen Bad Seeds. Am 7. Juli folgt der US-Sänger Teddy Swims (ausverkauft). Am 8. Juli übernimmt Pop-Ikone Katy Perry die Bühne, die sonst meist vor 40 000 Menschen spielt, in Stuttgart vor 7000 Menschen. Bei den Jazz Open, sagt Jürgen Schlensog, habe sie unbedingt mal auftreten wollen, weil der Ruf des Festivals international so gut sei.

Jamiroquai um Frontmann Jay Kay bringen am 9. Juli ihren tanzbaren Funk- und Acid-Jazz-Sound nach Stuttgart. Für eine Rocknacht sorgt am 10. Juli Lenny Kravitz, eine „Rampensau“, wie Schlensog sagt. Zum ersten Mal bei den Jazz Open spielte der US-Star auf dem Pariser Platz. Fast hätte es damals nicht geklappt, weil eine laute Baustelle im Europaviertel den Künstler verärgerte. Mit 300 Euro gelang es, die Bauarbeiter zum Pausieren zu überreden.

Der 11. Juli steht ganz im Zeichen britischer Klangfarben mit dem immer wieder gern nach Stuttgart zurückkehrenden Jamie Cullum, diesmal zusammen mit Joss Stone (ausverkauft). Den Schlusspunkt auf dem Schlossplatz setzt am 12. Juli Moby mit einer seiner mitreißenden Liveshows. „Wir haben lange gebraucht, um ihn zu bekommen“, sagt Schlensog. Der Tierschützer spendet einen Teil seiner Einnahmen für Tiere. Für dieses Konzert gibt es noch etwa 1500 Karten.

Festivalstart mit besonderen Projekten

Bereits am 1. Juli beginnt das Festival im Arkadenhof des Alten Schlosses. Die Hamburger Techno-Marching-Band Meute eröffnet mit ihrem Crossover aus Blasmusik und elektronischen Beats. Am 2. Juli folgt der israelische Musiker Asaf Avidan mit einer außergewöhnlichen Show. Curtis Stigers trifft am 3. Juli auf die SWR Big Band und widmet sich legendären Klassikern. Ein besonderes Projekt steht am 4. Juli auf dem Programm: Gitarrist Lee Ritenour interpretiert gemeinsam mit dem Stuttgart Kammerorchester Werke von David Bowie. Das Konzert ist dem 25-Jahr-Jubiläum der Bürgerstiftung Stuttgart gewidmet, für die an dem Abend gesammelt wird. Den Abschluss im Alten Schloss gestaltet am 5. Juli die kanadische Jazzpianistin und Sängerin Diana Krall.

German Jazz Trophy für Stanley Clarke

Mit Stanley Clarke kehrt einer der prägendsten Bassisten des Fusion-Jazz nach Stuttgart zurück. Er wird zu Festivalbeginn mit der German Jazz Trophy der Stiftung Kunst und Kultur der Sparda-Bank Baden-Württemberg für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Nach der Verleihung im SpardaWelt Eventcenter gibt Clarke mit seiner Band ein Konzert. Ein besonderer Höhepunkt im SpardaWelt Eventcenter ist die Jazz Open Charity Night am 4. Juli. Der australische Trompeter James Morrison widmet den Abend gemeinsam mit der Big Band Liechtenstein der Children Cancer Foundation (CCF). Die Hilfsorganisation engagiert sich für krebskranke Kinder und deren Familien – und ist inzwischen auch von Stuttgart aus aktiv.

Der Stifter Friedhelm Gruber, früherer Volleyball-Nationalspieler, berichtet, wie er nach dem Tod seines siebenjährigen Patenkindes mit Künstlern und Sportlern in Liechtenstein die Children Cancer Foundation gegründet hat. Ziel ist es, sagt er, nun auch in Stuttgart und der Region betroffene Familien finanziell und medizinisch zu unterstützen. Gerade in einem Jahr, in dem die Hauptbühnen fast ausverkauft sind und internationale Stars die Schlagzeilen bestimmen, setzt die Veranstaltung mit Konzerten für zwei Stiftungen ein Zeichen: Musik als Mittel der Solidarität. Neben der Charity Night bietet das SpardaWelt Eventcenter ein hochkarätiges Programm und im BIX Jazzclub zeigt sich das Festival von seiner intimen Seite. Den Auftakt macht am 2. Juli Gitarrist Kurt Rosenwinkel, der sein Live-Album „The Remedy“ neu belebt.

Wolfgang Dauner Award

Der mit 15.000 Euro dotierte Wolfgang Dauner Award geht an den spanischen Pianisten Marco Mezquida. Die Preisverleihung findet am 5. Juli im Fruchtkasten statt, danach gibt Mezquida ein Solo-Konzert. Gefördert wird die Auszeichnung von der Péter Horváth Stiftung – eine dritte Stiftung, die bei den Jazz Open eine wichtige Rolle spielt.

Auf sechs Bühnen finden die „Open Stages“ ohne Eintritt statt, etwa im Stadtpalais, im Musikpavillon auf der Königstraße und in der Stadtbibliothek. So überträgt sich das Jazz-Open-Gefühl auch auf Menschen, die keine Karten kaufen wollen oder können. Bisher hat die Stadt Stuttgart das kostenfreie Programm mitfinanziert, wird dies aber in diesem Jahr nur noch teilweise tun. „Wir brauchen noch etwa 30.000 Euro“, sagt der Promoter, „wer was hat, kann sich gern melden.“ Nachhaltigkeit bleibt fester Bestandteil der Jazz Open. Alle Eintrittskarten gelten am Veranstaltungstag als VVS-Kombiticket. Zudem werden die CO₂-Emissionen des Festivals seit 2014 über ein zertifiziertes Klimaschutzprojekt im Sudan kompensiert.

Premiere in Modena

Direkt im Anschluss folgt vom 13. bis 18. Juli die Premiere der Jazz Open Modena. Reiseveranstalter bieten kombinierte Festival- und Kurzurlaubsangebote in der Emilia-Romagna an – inklusive Rahmenprogramm, außergewöhnlichen Hotels und kulinarischer Entdeckungen.

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