Stuttgart

Spektakulärer Fund eines uralten Sauriers

Ein internationales Forschungsteam, mit dabei ein Stuttgarter Wissenschaftler, hat bei einem Fossil erstmals das älteste Verdauungssystem eines Meeresreptils entschlüsselt. Was verrät es?

  • Das Fossil des Austronaga minuta, welches sich in Peking befindet.Foto: Wei Wang

    Das Fossil des Austronaga minuta, welches sich in Peking befindet.Foto: Wei Wang

Stuttgart - Für die Forscher ist es eine spektakuläre Entdeckung: Der Paläontologe Stephan Spiekman vom Naturkundemuseum Stuttgart hat zusammen mit anderen Wissenschaftlern ein besonderes Meeresreptil mit dem wissenschaftlichen Namen Austronaga minuta in einer Studie beschrieben. Das Team entdeckte nach Angaben des Naturkundemuseums und der Universität Hohenheim das älteste Verdauungssystem eines langhalsigen Meeresreptils. Die Forschungsarbeit, an der auch Fachleute aus China, anderen europäischen Staaten und den USA mitwirkten, wurde in der Zeitschrift „Science Advances“ veröffentlicht.

Großen sackartigen Magen mit Inhalt gefunden

Das Tier lebte vor 245 Millionen Jahren in den Ozeanen. Das Fossil selbst, welches untersucht wurde, befindet sich in Peking. Für die Forscher bemerkenswert ist der einzigartige Blick ins Innere eines Meeressauriers: So haben die Forschenden mit Hilfe verschiedener Untersuchungsmethoden wie der UV-Licht-Fotografie und Massenspektrometrie zwischen den Rippen des Fossils erstmals mehrere innere Organe eindeutig identifizieren können. Sie trafen auf einen großen, sackartigen Magen, eine auffallend rote Leber mit Resten des Blutfarbstoffs Hämoglobin und einen langen, einfachen Schlauch, den Dünn- und Dickdarm. Es ist ein „einfach aufgebautes Verdauungssystem“, wie Wei Wang, Hauptautor der Studie und Experte für Meeresreptilien am Institut für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie in Peking, feststellte. Die Sensation: Das Fossil sei das älteste bekannte Beispiel für ein weitgehend vollständiges Verdauungssystem eines Reptils.

Ebenfalls bemerkenswert: Während heutige Vögel und Krokodile einen zweigeteilten Magen haben, hatte das Reptil Austronaga nur eine Magenkammer, wie Autor Nick Fraser vom National Museum Scotland erklärt. „Dies deutet darauf hin, dass sich der Doppelmagen höchstwahrscheinlich erst zu einem späteren Zeitpunkt in der Evolution dieser Reptiliengruppe entwickelte“, so der Stuttgarter Co-Autor Spiekman.

Was der Meeressaurier gefressen hat, weiß der 34-jährige Stuttgarter Forscher und Spezialist für langhalsige Meeresreptilien: „Wir haben im Verdauungstrakt von Austronaga mehrere Fischschuppen gefunden; es steht also fest, dass das Tier Fische fraß.“ Welche Fischart es war, ist bislang unklar, aber sicherlich eine Art Knochenfisch, so Spiekman.

Meeressaurier ist rund 60 Zentimeter lang mit langem Schwanz

Das untersuchte Reptil war nur rund 60 Zentimeter lang. Es hatte einen langen Hals und einen langen Schwanz sowie flossenähnliche Vorderbeine, die es zum Steuern und Stabilisieren nutzte. Die Hinterbeine waren stark verkürzt. Austronaga war damit gut an das Leben im Wasser angepasst, obwohl er mit landlebenden Reptilien, den so genannten Archosauriern verwandt ist, zu denen auch Krokodile und Dinosaurier gehören.

Die Entdeckung zeige, dass frühe Vertreter der Linie sich bereits komplex an das Leben in den Ozeanen angepasst hätten, so Spiekman.

Die Studie wurde von Forschern des Instituts für Wirbeltierpaläontologie und Paläoanthropologie in Peking, des National Museums Scotland, des Stuttgarter Naturkundemuseums und der Universität Hohenheim, sowie des Field Museums in Chicago, des Luoping Biota National Geoparks und der Universität Zürich durchgeführt.

Die Forschergruppe hofft, durch weitere Untersuchungen noch mehr Erkenntnisse über die Evolutionsgeschichte der Meeresreptilien und ihrer landlebenden Verwandten zu bekommen.

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