Stuttgart - Noch vor Jahresende soll eine Expertenkommission die bisherigen Pläne zur Opernsanierung ergebnisoffen prüfen, so haben es Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und Stuttgarts OB Frank Nopper (CDU) beschlossen. Aus Sicht der SPD im Landtag sind die bisherigen Pläne, die den Bau einer Interimsspielstätte vorsehen, nicht mehr haltbar. „Die bisherige Lösung ist an die Wand gefahren worden“, sagt Fraktionschef Sascha Binder.
Am Steuer des Unfallwagens mit womöglich Totalschaden sieht Binder die CDU-Landtagsfraktion, aber auch die grün-schwarze Landesregierung. Die CDU-Fraktion hält die Pläne wegen der Kosten – laut deren Chef Tobias Vogt werden sie bei 1,5 Milliarden Euro liegen – für nicht mehr vertretbar. „Die Expertenkommission sollte die CDU-Fraktion beschwichtigen“, sagt Binder, das sei aber nicht gelungen.
Die Sozialdemokraten hatten den Bau der Interimsspielstätte im Stuttgarter Norden bereits vor der Sommerpause abgelehnt. Das Interim besteht aus dem eigentlichen Opernhaus in Modulbauweise für geplante 139 Millionen Euro und dauerhaften Gebäuden mit Büros und Gewerbeflächen für 150 Millionen.
Das Interim sollte nach der abgeschlossenen Sanierung des Opernhauses am Eckensee verkauft werden. Als möglicher Erlös waren 2019 rund 18 Millionen Euro geschätzt worden, die, wie auch alle sonstigen Baukosten, zwischen Stadt und Land hälftig aufgeteilt werden. Die bleibenden Gebäude sollen letztlich von der Stadt übernommen werden.
SPD: Keine Mehrheit für bisherige Pläne
Für die vermeintlich optimale Lösung sieht Binder im Parlament keine Mehrheit mehr. Die Frage sei nun, „ob der Neubaugedanke für die Oper der richtige ist“. Auch das soll die Expertenkommission aufzeigen. Womöglich ist sie damit überfordert, denn es existieren weder ein Bauplatz noch ein Lastenheft noch eine Kostenabschätzung.
Binder rät daher dringend, die Sanierung „im Bestand“ zu prüfen. Soll heißen: Das historische Opernhaus erhält keine Kreuzbühne, sein altes Kulissenlager entlang der Bundesstraße 14 bleibt bestehen. Bei einer Sanierung im Bestand wäre allerdings die Frage, wo die erheblichen zusätzlichen Flächen für die Opernbeschäftigten entstehen sollen.
Weil die Sanierung Jahre dauern werde, müsse geprüft werden, ob die Spielzeit von Oper und Ballett über mehrere Jahre jeweils deutlich gekürzt oder aber die Ensembles auf Tournee geschickt werden könnten. Dazu böten sich laut Binder „die Landesbühnen oder größere Hallen im Land“ an. So könne die Oper zudem „ihre Zielgruppe erweitern“.
Eine weitere Möglichkeit sei, die Oper für mehrere Jahre ins Schauspielhaus umzuquartieren. Dann müsste allerdings das Schauspiel auf Gastspieltour gehen. Die Grünen in der Landesregierung haben sich nach Einschätzung des SPD-Chefs mit dem Opern-Projekt ähnlich verkalkuliert „wie die CDU beim Stuttgarter Bahnhofsprojekt Stuttgart 21“. Für den Genossen Binder ist klar, dass „jetzt unsere Vorschläge geprüft werden müssen“.
Unterhaltsaufwand steigt
Auf Anfrage der SPD teilte das Finanzministerium mit, dass eine uneingeschränkte Betriebssicherheit im historischen Littmann-Bau (dem Opernhaus) „nicht mehr gegeben“ sei. Die Einstellung des Gebäude- oder Spielbetriebs könne nicht ausgeschlossen werden. Von 2027 an bis zum Beginn der Sanierung rechne man mit „baulichen und betriebstechnischen Maßnahmen“ im Umfang von jährlich 6 bis 7,5 statt bisher 4,5 Millionen Euro. Die Württembergischen Staatstheater erwirtschaften laut Finanz-Staatssekretärin Andrea Lindlohr (Grüne) Karteneinnahmen in Höhe von rund 18 Millionen Euro pro Jahr, „die überwiegend im Opernhaus erzielt werden“.

