Stuttgart - Erst kürzlich hat ein neues Videospiel, bei dem man sich durchs Horrorlabyrinth des Bahnprojekts Stuttgart 21 kämpft, für Aufsehen gesorgt. Wer nicht so sehr auf Onlinespiele, dafür mehr auf analoge Schauergeschichten steht, kann sich ebenfalls freuen. Denn auch die 7. Ausgabe der Comicreihe „Der Stuttgarter Schocker“ nimmt S 21 ins Visier.
Im Mittelpunkt des Comics mit dem unheilvoll klingenden Titel „Oben bleiben, unten leiden“ steht Jonas, der nach einem dramatischen Erlebnis seine Tage am Eugensplatz verbringt. Als seine Schulfreunde ihn zu einer Besichtigung der S-21-Baustelle einladen, beginnt ein Ausflug, der von Stuttgart-Mitte aus in horrorhafte Welten führt.
Verleger kann sich Verfilmung der Stuttgart-Comics vorstellen
Von einem „Trip in die Hölle“, spricht der Macher. Im Comic verbindet er Stuttgarter Orte wie etwa die Bar Oblomow in der Innenstadt oder den chinesischen Garten mit klassischem Horror. Anlehnungen an bekannte Werke des Genres wie „Silent Hill“, „Jacob’s Ladder“, „Hellraiser“ oder „Annihilation“ sind im Comic nicht zu überlesen. Das kommt nicht von ungefähr: Denn der Kopf hinter den Stuttgarter Schocker kennt sie alle. Lukas Hepp ist bekennender Horror- und Stuttgart-Fans. Seit zwei Jahren veröffentlicht der Esslinger Musiker seine Gruselcomics mit Stuttgart-Bezug. Der hauptberufliche Social-Media-Manager und Videograf schreibt und verlegt die Comics selbst.
„Es war relativ naheliegend für mich, das sehr prominente Thema S21 endlich mal aufzugreifen“, sagt Hepp. Leserinnen und Leser hätten sich das bereits gewünscht. Auch, wenn etwa der „Fernwanderweg“, wie viele Stuttgarter den Weg zu den Gleisen mittlerweile nennen, ihn persönlich ebenfalls nervt: Im Comic sei es nicht das Ziel gewesen, Partei für oder gegen das Bahnprojekt zu ergreifen. „Ich habe viel mehr den Bahnhof als Schauplatz genutzt und inhaltlich Parallelen zur realen Situation gezogen.“
Herz des Comics sind wie immer die Illustrationen. In der neuen, siebten Ausgabe kommen sie aus der Feder von Illustrator Vincent Alef, der Hepps Comics damit gleichzeitig einen neuen Stil verpasst. „Bisher haben wir den klassischen westlichen Stil verwendet“, sagt Lukas Hepp. „Für jede Geschichte versuche ich aber, etwas Neues zu machen. Vincents detailverliebte Arbeiten und Darstellungen von Orten haben mich überzeugt.“ Das neue 40 Seiten starke Heft erscheint nun als Schwarzweiß-Manga.
Lukas Hepp träumt davon, die Comic-Ausgaben eines Tages zu verfilmen, wie er selbst sagt – bis dahin bleibt er seinen Comics aber treu. Frühere Ausgaben befassten sich unter anderem mit der geschlossenen Pommesbude Fritty Bar, der S-Bahn-Linie S 1, dem Weltall und Feinstaub.
Und auch der siebte Teil soll nicht der Letzte bleiben. „Zu Halloween erscheint ein Zweiteiler“, verrät der 34-Jährige. „,Mord am Feuersee‘ wird er heißen und ist angelehnt an Werke des US-Regisseurs David Lynch.“ Und eine weitere Neuigkeit gibt es: Lukas Hepp und sein Team expandieren. Künftig soll es die Schocker-Comics auch mit Städten wie München, Hamburg oder Köln geben. Als Verleger arbeitet der 34-Jährige dafür künftig mit dortigen Autoren zusammen.
Der neue Comic „Oben bleiben, unten leiden“ kostet 9,99 Euro. Zu kaufen gibt es ihn in den Stuttgarter Läden Superjuju, Kesselgut, Thalia, Osiander, in der Ostend-Buchhandlung und bei Outer World 0711 in Vaihingen. Wer in der Region unterwegs ist, wird in der Esslinger Sammlerecke fündig.

