Stuttgart - So lange wie nie zuvor sperrt die Deutsche Bahn (DB) von Montag an den zentralen Innenstadttunnel der S-Bahn. Acht Wochen dauert dieses Jahr die Stammstreckensperrung, die Reisende und Pendler zu Umstiegen zwingt. Sie beginnt am Montag, 20. Juli, 1.30 Uhr, und endet am Samstag, 12. September, 4 Uhr. Mittlerweile ist es die sechste sommerliche Unterbrechung dieser Art. Vorgesehen waren ursprünglich drei Pausen des S-Bahnbetriebs.
Zuverlässigkeit soll erhöht werden
Erstmals sind auch Schülerinnen und Schüler davon betroffen. Bei den fünf vorhergehenden Stammstreckensperrungen hatte sich die DB noch an den Sommerferien orientiert. Das ist dieses Mal nicht der Fall. Schon von Montag an erledigt die DB Gleisarbeiten in der Wendeschleife der S-Bahn an der Schwabstraße. Dort wird auf einer Länge von 1,3 Kilometern das Gleis ausgetauscht. Das könne nicht parallel zu den übrigen geplanten Arbeiten stattfinden und müsse deswegen schon vor Ferienbeginn angegangen werden, heißt es in einer Mitteilung der DB.
Während der Ferien erneuert die Bahn wie schon in den Jahren zuvor die technische Ausrüstung des Tunnels zwischen dm Hauptbahnhof und Stuttgart-Vaihingen. Außerdem baut die DB-Infrastrukturtochter im Rahmen des Pilotprojekts Digitaler Knoten Stuttgart (DKS) neue Sicherungstechnik ein, von der sich die DB „mehr und zuverlässigere Zugfahrten“ verspricht.
Doch ehe der Beweis angetreten wird, ob sich die Verheißungen auch erfüllen, müssen Fahrgäste in den kommenden Wochen ein weiteres Mal mit Umwegen und Ersatzbussen leben. Dreh- und Angelpunkt im S-Bahnnetz wird der Stuttgarter Kopfbahnhof. Dort wird von Montag an auf den Gleisen 1 bis 4 der S-Bahnverkehr abgewickelt, der in Normalzeiten eine Etage tiefer am S-Bahnhalt Hauptbahnhof Station macht.
Alle S-Bahnlinien fahren während der Stammstreckensperrung nur im Halbstundentakt – und teilweise auf anderen Routen wie gewohnt. Die S1 wird zweigeteilt und fährt zwischen Kirchheim/Teck und dem Hauptbahnhof und zwischen Stuttgart-Vaihingen und Herrenberg.
Die S2 wird ebenfalls auf zwei Abschnitte aufgeteilt und pendelt zwischen Schorndorf und dem Hauptbahnhof sowie zwischen Stuttgart-Vaihingen und Filderstadt. Unterwegs fährt sie den Flughafen und die Landesmesse an. Die S3 fährt lediglich zwischen Backnang und dem Hauptbahnhof.
Die Linien S4, S5 und S6 sind zwischen ihren Startpunkten in der Region und dem Stuttgarter Kopfbahnhof unterwegs. Die S60 pendelt zwischen Böblingen und Feuerbach, sonntags wird die Linie auf den Abschnitt Böblingen–Renningen reduziert. Die S62 (Weil der Stadt–Zuffenhausen) und die RB11 (Untertürkheim–Kornwestheim) entfallen.
Zwischen dem Hauptbahnhof und Vaihingen sind die Ersatzbusse der Linie SEV1 unterwegs. Am Hauptbahnhof ist die Abfahrt an einer Haltestelle auf dem Arnulf-Klett-Platz beim Beginn der Königstraße. Unterwegs bedienen die Busse die Stationen Wilhelmsbau, Feuersee, Schwabstraße, Kleiststraße, Universität, Vaihingen Alter Friedhof und Vaihingen Busbahnhof. Sie fahren im Zehn-Minuten-Takt, bis zum Beginn der Sommerferien an Wochentagen alle fünf Minuten. Zwischen dem Hauptbahnhof und Böblingen lässt die DB einmal in der Stunde einen Regionalexpress über die Panoramabahn pendeln, der auch in Stuttgart-Vaihingen hält. Dort machen auch die zweistündlich verkehrenden Regionalzüge Richtung Rottweil und Freudenstadt Halt.
Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) verlängern wochentags in den morgendlichen und abendlichen Stoßzeiten die Stadtbahnen der Linie U1 bis Vaihingen. Die U14 fährt auch sonntags nach dem dichteren Samstagsfahrplan. Und die U6 fährt durchgehend als Doppelzug, um mehr Kapazitäten Richtung Flughafen und Landesmesse anzubieten. Einmal am Tag in den frühen Morgenstunden gibt es einen Zubringerbus (SEV3) zum Flughafen, der wochentags um 4.50 am Hauptbahnhof startet.
Einschränkungen auch im Fernverkehr
Weil die S-Bahnen während der Stammstreckensperrung einen Teil des Kopfbahnhofs in Beschlag nehmen, können nicht alle Züge des Fernverkehrs den Hauptbahnhof ansteuern. Die ICE-Linien Dortmund–München, Frankfurt–Graz sowie Karlsruhe–München werden umgeleitet und halten statt in Stuttgart in Vaihingen(Enz) und Esslingen.
Aus den ursprünglich drei angekündigten Sperrungen der Stammstrecke sind mittlerweile sechs geworden. Auch für kommendes Jahr war bereits eine weitere sommerliche Unterbrechung angekündigt. Ob das wegen der neuerlichen Verzögerungen bei Stuttgart 21 Bestand hat, ist noch nicht ausgemacht. „Aktuell werden für eine gesamthafte Bauplanung die erforderlichen Sperrpausen für das neue Inbetriebnahmekonzept von Stuttgart 21 und Digitaler Knoten Stuttgart und die notwendigen Instandhaltungen an der bestehenden Infrastruktur aufeinander abgestimmt“, erklärt ein Bahnsprecher. Deshalb könne die DB „derzeit noch keine verbindliche Aussage zu einer Sperrung der S-Bahn-Stammstrecke im Sommer 2027 treffen“.
Weitere Baustellen bremsen S-Bahn
Parallel zu den Bauarbeiten an der Stammstrecke arbeitet die DB auch an anderen Stellen im S-Bahnnetz, was zu weiteren Einschränkungen für die Fahrgäste führt. Die S-Bahnröhre des Pragtunnels zwischen Nordbahnhof und Feuerbach wird ein weiteres Mal zur Instandhaltung gesperrt. Zwischen 15. und 22. August werden Züge der S-Bahnlinen 4 und 5 umgeleitet und halten nicht in Feuerbach. Die S6 endet bereits in Feuerbach. In Ludwigsburg wird im Zeitraum 22. August bis 7. September eine Brücke erneuert. Betroffen sind alle Züge, darunter auch die S-Bahnen der Linie 5, die während der Brückenbauarbeiten bereits in Ludwigsburg enden. Ersatzbusse halten in Asperg, Tamm und Bietigheim. Zwischen Leonberg und Ditzingen erneuert die Bahn vom 7. bis 11. September Gleise. In dieser Zeit fährt S6 zweigeteilt zwischen Hauptbahnhof und Ditzingen sowie zwischen Weil der Stadt und Leonberg.

