Stuttgart - Der Verband Region Stuttgart möchte am Boden bleiben. Oder zumindest nicht zum Teilhaber des Stuttgarter Flughafens werden. Damit endet auf regionaler Ebene eine von der FDP angestoßene Debatte über die Eigentümerstruktur der Betreibergesellschaft des Flughafens auf den Fildern. Mit großer Mehrheit folgten die Regionalräte im Wirtschaftsausschuss der Region der Empfehlung der Geschäftsstelle, die von Hartfried Wolff (FDP) aufgebrachte Idee eines Einstiegs der Region bei der Flughafengesellschaft nicht zu vertiefen. Die Liberalen hatten vorgeschlagen, die Region solle ihre Beteiligung an der Landesmesse überprüfen und stattdessen Anteile an der Flughafen Stuttgart GmbH (FSG) erwerben.
Nach Auffassung der Verbandsverwaltung fehlt dafür jedoch sowohl eine gesetzliche Grundlage als auch die notwendige Zuständigkeit. Zudem wäre selbst ein Anteil von zwei Prozent mit Investitionen in Millionenhöhe verbunden, ohne nennenswerten strategischen Einfluss zu eröffnen. Die Verwaltung warnte deshalb vor finanziellen und rechtlichen Risiken und empfahl, den Antrag weitgehend abzulehnen.
Als roter Faden durch die Wortmeldungen in der Debatte zog sich das Bekenntnis zur Bedeutung des Flughafens für die Menschen in der Region Stuttgart, gepaart mit der Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung des Airports. „Wir brauchen einen Flughafen für die Wirtschaft und keinen reinen Ferienflughafen“, sagte Regionalrat Andreas Koch (CDU). Gleichzeitig zog er in Zweifel, dass der Regionalverband mit einer von der FDP vorgeschlagenen Beteiligung von zwei Prozent an der FSG den Kurs nachhaltig bestimmen könne.
Auch André Reichel (Grüne) vermochte „keine schlüssigen Argumente“ zu entdecken, inwiefern die Region den Flughafen vor der derzeitigen Entwicklung bewahren könne, die so sei, „wie wir uns das nicht wünschen“, sagte Gerd Maisch (Freie Wähler).
Hartfried Wolff hatte zuvor nochmals für seine Idee geworben. Der Flughafen dürfe „zu keinem zweiten Stuttgart 21 werden. Wir müssen in die Infrastruktur investieren“. Er ist überzeugt, dass vor allem die Stadt Stuttgart den hohen Zuschussbedarf, den der Flughafen bei seinen beiden Gesellschaftern für die energetische Sanierung der Terminalgebäude gelten macht, nicht wird leisten können. „Die Landeshauptstadt ist der kranke Mann der Region“, sagte Wolff.
Die FSG gehört derzeit zu 65 Prozent dem Land Baden-Württemberg und zu 35 Prozent der Landeshauptstadt Stuttgart. Über Veränderungen an dieser Struktur wird immer wieder diskutiert. Den bislang jüngsten Anstoß hatte die FDP im Stuttgarter Gemeinderat gegeben. Sie brachte angesichts der angespannten Haushaltslage und der milliardenschweren Herausforderungen bei Klimaschutz und Infrastruktur einen Teilverkauf der städtischen Flughafenanteile ins Gespräch. Bereits im April 2025 hatte das Linksbündnis im Gemeinderat gefordert, die Stadt solle ihre Anteile vollständig an das Land verkaufen. Das Land verfügt über ein Vorkaufsrecht.
Hintergrund der Debatte sind die erheblichen Investitionen, die der Flughafen unter anderem für die Klimaneutralität stemmen muss. Zugleich befindet sich der Airport wirtschaftlich zwar auf Erholungskurs, liegt beim Passagieraufkommen aber weiterhin unter dem Niveau vor der Corona-Pandemie. Das Streckennetz hat sich verändert, klassische Geschäftsreiseverbindungen spielen eine geringere Rolle, während touristische Ziele an Bedeutung gewonnen haben.

