Stuttgart

Prominenter Ex-Schüler kritisiert Merz-Schule

Der Moderator, Influencer und Podcaster Aurel Mertz geht nach rassistischen Ausfällen mit seiner ehemaligen Schule hart ins Gericht.

Stuttgart - Der Stuttgarter Comedian Aurel Mertz hat sich zum Rassismus-Vorfall an der Merz-Schule geäußert. Den Komiker, Moderator und Podcaster überrascht das alles offenbar nicht. „Zum Kotzen, 20 Jahre später zu sehen, dass sich da nichts geändert hat. Noch mehr zum Kotzen finde ich, dass man sich jetzt hinstellt und so tut, als hätte man davon nichts gewusst“, sagt Mertz.

Bei einem Sommerfest hatte eine Gruppe von Schülern beim Lied „L'Amour toujours“ von Gigi D'Agostino die rassistische Parole „Deutschland, den Deutschen, Ausländer raus“ skandiert. Ein ehemaliger Schüler wurde des Festes verwiesen. Schulleiter Frederik Merz räumte die Vorfälle ein, erklärte jedoch, dass diese zur Schule überhaupt nicht passten. Das greife viel zu kurz, hält Mertz dagegen. Rassismus habe auf seiner ehemaligen Schule „eine lange Tradition“. Wenn man es als Schule nicht schaffe, „den Kindern ihr Privileg zu erklären, dass sie in Wohlstand geboren sind, dann wird sich nie was ändern“, holte der Influencer und Comedian zum Rundumschlag aus. „Dann seid ihr als Schule nicht nur Nebensteher dieses Rassismus, zu diesen volksverhetzenden Aussagen, dann seid ihr Fahrer des Busses.“

Er sei selbst auf der Schule gewesen, allerdings nur wegen eines Stipendiums, erzählt er in einem Beitrag auf Social Media. „Wir hätten uns diese Privatschule nicht leisten können“, so der 37-Jährige. Er wuchs als Sohn eines Grafikers und einer Künstlerin in Stuttgart auf, seine Eltern sollen sich ebenfalls auf der Privatschule kennengelernt haben. Sein Großvater väterlicherseits stammt aus Ghana. „Ich habe alle rassistischen Erfahrungen, die ich in meiner Jugend gemacht habe, mit Schülern dieser Schule oder auf dieser Schule gemacht“, sagt Mertz. Seine Mitschüler seien „alles wahnsinnig reiche Kinder“ gewesen. Auch seine damalige Freundin hätte Rassismus erfahren – unter anderem hätten sich in der Abi-Zeitung rassistische Kommentare gefunden. Er selbst sei auch mit dem „N-Wort“ belegt worden.

Rassismus werde auf der Merz Schule „kultiviert“, sagte der Komiker und Moderator, der inzwischen in Berlin lebt. Das Problem kommt aus seiner Sicht daher, dass die Schülerinnen und Schüler „einer Elite angehören, dass die Eltern sehr sehr einflussreich sind“. „Oftmals geht es bei dem Rassismus auf dieser Schule auch um optische Merkmale, um soziale Merkmale“, so Mertz.

Unter dem Posting auf Instagram meldeten sich andere ehemalige Schüler, die Mertz' Sichtweise bestätigten. Laut dem Schulleiter der Privatschule habe man die Vorfälle aufgearbeitet, es seien auch Gespräche mit Schülerinnen und Schülern geführt worden.

Frederik Merz kommentierte das Posting ebenfalls. „Für vieles aus der Vergangenheit trage ich keine persönliche Verantwortung. Für die Zukunft aber sehr wohl“, schrieb der Schulleiter. „Dieser Verantwortung werde ich mich stellen. Die Merz-Schule versteht sich als ein Ort der Vielfalt, des Respekts und der gegenseitigen Verantwortung.“

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