Stuttgart

Oper: Land denkt an abgespeckte Sanierung

Die umfassenden Arbeiten werden Jahre dauern, die Kostenentwicklung ist ungewiss. Die CDU will Ende September deutliche Reduzierungen für die Opern-Sanierung festschreiben.

  • Die Technik im Stuttgarter Opernhaus ist in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig. Geplante Erweiterungen um eine Kreuzbühne und das vergrößerte Kulissenhaus stehen zur Disposition.Foto: dpa/Bernd Weißbrod

    Die Technik im Stuttgarter Opernhaus ist in die Jahre gekommen und stark sanierungsbedürftig. Geplante Erweiterungen um eine Kreuzbühne und das vergrößerte Kulissenhaus stehen zur Disposition.Foto: dpa/Bernd Weißbrod

Stuttgart - Am 24. September soll der Stuttgarter Gemeinderat abgespeckte Planungsprämissen für das neue Interims-Opernhaus im Norden der Stadt gutheißen. Das Haus soll kleiner, Baukosten sollen auf 289 Millionen Euro gedeckelt werden. Die Christdemokraten fordern, dass der veränderte Planungsauftrag für die Ausweichspielstätte mit dezidierten Vorgaben zur Sanierung des Opernhauses am Eckensee verknüpft wird. Dazu äußert sich auf Anfrage unserer Zeitung erstmals das Land als Bau- und Betriebspartner.

CDU geriert sich als Sparkommissar

Die CDU geriert sich bei bestimmten Themen im Gemeinderat neuerdings als oberster Sparkommissar und Richtungsgeber für die Verwaltung unter OB Frank Nopper (CDU). Die Ökofraktion als gleich starker Teil der schwarz-grünen Haushaltskoalition folgt den CDU-Vorschlägen beim Komplex Opernsanierung. Beide Fraktionen besetzen im Rat je 14 der 60 Sitze. Auch die Freien Wähler versteht sich mit ihren fünf Sitzen als mitbestimmender Teil. Sie können, wie bei den Beratungen zum Doppeletat 2026/27, die Mehrheit sichern. „Sparen ist nicht sexy“, sagte die FW-Vorsitzende Rose von Stein bei den Etatberatungen, doch „mit uns kann man sparen“.

Bei der Sanierung des 114 Jahre alten Operngebäudes will die CDU in Sachen Sparen Eckpunkte festschreiben. Fraktionschef Alexander Kotz fordert den Entfall der Kreuzbühne, eine „signifikante Reduzierung des Raumprogramms“, die durch eine „prognostizierte künftig deutlich geringere Mitarbeiterzahl“ erleichtert werden könnte, und den Erhalt des bestehenden Kulissengebäudes an der B 14. Die Grünen sind dabei. Man brauche eine abgespeckte Version, weil „nur die ein verantwortlicher Umgang mit öffentlichem Geld ist“, sekundierte Öko-Stadtrat Marcel Roth in der jüngsten Sitzung des Verwaltungsausschusses.

Die Freien Wähler sind ähnlich eng an der Seite der CDU, ein Spalt öffnet sich aber in Richtung Kreuzbühne: „Die halte ich für wichtig“, sagt Rose von Stein. Dieses Bauteil würde die Investitionskosten hochtreiben, würde aber laut Opern-Intendanz künftigen Umbauaufwand reduzieren.

Für die kommende Mega-Baustelle am Eckensee ist beim paritätischen Mitzahler Land das Ministerium für Wissenschaft und Kunst zuständig. Und damit die Grüne Petra Olschowski. Die Kunsthistorikerin hatte im Juli 2025 gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass die Kreuzbühne für sie „nicht gesetzt“ sei. Im Architektenwettbewerb zur Sanierung, der noch bis Jahresende läuft, sollten Varianten mit und ohne diese Bühne geplant werden.

Wirtschaftlichkeit „zentrale Prämisse“

Von den Forderungen aus dem Gemeinderat zeigt man sich im Ministerium nicht überrascht. Wirtschaftlichkeit sei „eine zentrale Planungsprämisse und maßgebliche Rahmenbedingung des Wettbewerbsverfahrens und für alle Teilnehmer verbindlich vorgegeben“, sagt Sprecherin Caroline Blarr. Geplant und umgesetzt werde am Eckensee „nur das technisch und rechtlich Erforderliche!“.

Wobei die Intendanz die Kreuzbühne sehr wohl für unabdingbar hält. Änderungen im Architektenwettbewerb seien nicht erforderlich, so das Ministerium. Rechtlich zulässig sind sie im laufenden Vergabeverfahren sowieso nicht. Das Linksbündnis im Gemeinderat fordert wegen der absehbaren Sparrunde den Abbruch des Wettbewerbs.

Die „geforderten Maßgaben“ aus dem Gemeinderat seien „aus unserer Sicht bereits im bestehenden Planungsrahmen umsetzbar“, so Blarr weiter. Faktisch arbeite man schon jetzt so, wie im Antrag der Christdemokraten notiert. Die von Landesseite „maßgeblich vorangetriebenen Anpassungen beim Interim“ seien vom Gemeinderat positiv bewertet worden.

Stadt kürzte Zuschuss einseitig

Mit dem neuen städtischen Doppeletat, der einen Kreditbedarf von 848 Millionen Euro vorsieht, hatte Stuttgart trotz vertraglicher 50:50-Aufteilung mit dem Land den Betriebszuschuss für die Staatstheater einseitig um jährlich rund 4,5 Millionen Euro (von 56 Millionen) gekürzt. Das Land hatte die Kürzung in diesem Jahr aufgefangen. Das wird aber kaum zur Regel werden. In anderen Kommunen wird aufmerksam registriert, wie viel Geld in die noch immer als reich geltende Kapitale fließt. Bleibt die Stadt bei ihrer Kürzung, würden Stellen nicht mehr besetzt werden können, heißt es aus dem Ministerium weiter. Jede Aussage zur genauen Zahl der Beschäftigten im Jahr 2042, wenn der Littmann-Bau fertig saniert sein soll, sei spekulativ. Als letzten Punkt in ihrem Antrag fordert die CDU-Fraktion angesichts der einseitigen städtischen Zuschussreduzierung mit einer gewissen Chuzpe von der Landesseite eine „politischen Erklärung zur Unterstützung des Projekts sowie zur anteiligen Kostenübernahme“.

Eckpunkte für den Landesetat 2027 würden zurzeit erarbeitet, sagt Blarr. Grundsätzlich gelte: „Wo es Verträge mit den Städten gibt, ist das Land an diese gebunden“.

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