Stuttgart - Es ist auf den ersten Blick oft eine eher spröde Materie, wenn auf kommunaler Ebene das Thema Haushaltsplanung aufgerufen wird. Doch solche Etatberatungen haben es in sich – wie jetzt für 2027 beim Verband Region Stuttgart, der unter anderem für die S-Bahn zuständig ist. Schließlich entscheidet sich dabei, in welchen Bereichen in Zukunft Geld ausgegeben und wo gespart werden muss. Eines aber war Regionaldirektor Alexander Lahl wichtig zu betonen bei der Vorstellung seines Etats am Mittwoch in der Verbandszentrale in der Stuttgarter Kronenstraße: „Wir sparen nicht an der Zukunft“, sagte er. „Und wir investieren, wo wir die Stärken von morgen sehen.“
Unter anderem hat der Chef der Region dabei die Neuausschreibung der S-Bahn von 2034 an im Kopf. Diese wird im Moment schon vorbereitet und ist aus Lahls Sicht „die größte verkehrspolitische Weichenstellung in der Geschichte“ der Region. Dabei geht es um ein Invesititionsvolumen in Milliardenhöhe, wie es heißt, unter anderem, um mehr als 200 neue Züge auf die Gleise zu bringen.
Schon immer machen Ausgaben im Berich der S-Bahn den größten finanziellen Brocken beim Verband Region Stuttgart aus, der seit seiner Gründung die Gesamtverantwortung für das sogenannte „Rückgrat des öffentlichen Nahverkehrs“ im Ballungsraum am Neckar trägt. Ganz aktuell treibt er den Ausbau voran: die Verlängerung nach Neuhausen auf den Fildern etwa, die S 7 auf der Panoramabahn oder die Elektrifizierung der Teck-Bahn. All das kostet.
Insgesamt plant der Verband für 2027 mit einem von Gesamtbudget von 565,5 Millionen Euro, 2026 waren es 542 Millionen Euro. Getragen wird der Etat maßgeblich von „Regionalisierungsmitteln“ des Bundes für den Schienenverkehr, aber auch die Kommunen und Landkreise in der Region sind über eine Umlage gefordert. Speziell diese sollen nun durch diverse Sparmaßnahmen um 16,6 Millionen Euro entlastet werden, bei einer Gesamtumlage von künftig 75,8 Millionen Euro. „Wir haben schon in den vergangenen Jahren Förderprogramme gestrichen und Verwaltungsabläufe verschlankt“, sagt Regionaldirektor Lahl. Zugleich greifen er und sein Finanzchef Thomas Mattlinger auf Rücklagen in zweistelliger Millionenhöhe zurück, um „sehr gezielt“ auch jenseits der S-Bahn investieren zu können.
Die Schwerpunkte dabei: Rund fünf Millionen Euro sollen in neue Wachstumsbranchen gesteckt werden, etwa in die die Mikro- und Elektrotechnik, die Sicherheitstechnologie oder Green Tech. Für die Gewinnung von Fachkräften steht Geld bereit, wie auch für internationales Standortmarketing. Der Verband engagiert sich in der „Allianz Grüner Wasserstoff Region Stuttgart“ und treibt zusammen mit 20 anderen Partnern die Energiewende voran. Für die Sicherung zukünftiger Deponiekapazitäten – ebenfalls eine zentrale Aufgabe – sind 250.000 Euro eingeplant. Und wichtig auch: die finanzielle Unterstützung der Internationalen Bauausstellung 2027 sowie die für 2043 geplante Bundesgartenschau im Zusammenspiel mit Stuttgart, Ludwigsburg und Esslingen.
Deutlich wird dabei: Der Regionaldirektor und sein Verband verstehen sich als Treiber der Transformation. „Die Region Stuttgart befindet sich in einer Phase tiefgreifender Veränderung“, sagte Alexander Lahl und spielte damit nicht zuletzt auf die Entwicklung in der Automobilindustrie an. „Die entscheidende Frage lautet nicht, ob sich unsere Region verändert, sondern wie wir diesen Wandel gestalten. Die Voraussetzungen dafür sind da: starke Unternehmen, exzellente Wissenschaft, engagierte Kommunen und Menschen, die Verantwortung übernehmen.“
Entscheidung fällt kurz vor Weihnachten
Eine Grundüberzeugung hat der Verbandschef bei alledem: „Die Zukunft wird dort entschieden, wo Zusammenarbeit gelingt“, betonte er. Um diese über Stadt- und Kreisgrenzen hinaus zu befördern, hatte die Region im Sommer einen „Zukunftskonvent“ initiiert. Dieser Verbund von Kräften aus Wirtschaft und Wissenschaft, Sport, Kultur und Gesellschaft soll 2027 weiter gestärkt werden.
Lahl hat seinen Haushaltsentwurf am Mittwoch in die Regionalversammlung eingebracht. Im Oktober und November wird dieser in den Gremien diskutiert. Die Regionalversammlung soll den Haushalt 2027 des Verbands Region Stuttgart dann am Mittwoch, 16. Dezember, final beschließen.

