Stuttgart

Methode klare Kante

Minister Hagel erneuert das Konzept der Stadionallianz und setzt auf das Drohpotenzial Bußgeld.

Das ging fix. Vor wenigen Tagen die Ausschreitungen beim DFB-Pokalspiel in Mannheim, dann die Telefondiplomatie des neuen Innenministers Manuel Hagel (CDU) mit den Vereinsspitzen, kurz darauf die Verschärfung der in die Jahre gekommenen Stadionallianz zur Verhinderung von Fangewalt.

Schon als er Fraktionsvorsitzender war, sagte man Hagel einen Hang zur Akribie nach. Im aktuellen Fall war die Detailversessenheit wohl genau das Richtige. Beim Treffen im Innenministerium wurde den Vereinsvertretern deutlich gemacht, was die Landesregierung von ihnen erwartet – inklusive des Vorzeigens der Folterwerkzeuge, sollten sie die Sicherheitsanstrengungen nicht erhöhen. Gemeint ist die Androhung eines Bußgelds. Die Clubs akzeptierten. Nun müssen die Experten des Innenministeriums schnell für eine handhabbare Regel sorgen.

Der neue Innenminister setzt also bewusst weiter nicht auf einen Kostenbeitrag der Fußballvereine bei Hochrisikospielen, obwohl diverse Kräfte mächtig dafür trommelten. Damit bleibt Hagel dem Konzept Stadionallianz seines Vorgängers Thomas Strobl treu, verpasst ihm aber einen Schub. Nur Bremen erhebt bisher einen Kostenbeitrag für den Mehraufwand für den Polizeieinsatz bei Hochrisikospielen. Alle weiteren Bundesländer verzichten. So attraktiv kann dieses Modell also nicht sein. Hagel ist nicht der einzige Landesinnenminister, der lieber einen Fokus auf die Verbesserung der Sicherheit hat, statt wie Bremen einfach eine Rechnung zu schicken.

Die Debatte hat indes eine populistische Schieflage. Immer wird von den Unterstützern des Kostenbeitrags auf das Milliardengeschäft Fußball verwiesen, das sich bitteschön an den Kosten für überbordende Polizeieinsätze zu beteiligen habe. Ja, wer hat denn dies zum Milliardengeschäft gemacht? Das waren doch irgendwie alle: Die Massen, die in die Stadien strömen, die Massen, die Fußball im Fernsehen, im Internet und bei allen möglichen Rechteinhabern verfolgen, auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der dreistellige Millionenbeträge für Fußballübertragungsrechte zahlt.

Der Erfolg der Vereine ist gewünscht, gerade im Südwesten. Viele Bundesländer und Kommunen schätzen den Wirtschafts- und Imagefaktor Fußball. Die betreffenden Städte stellen den in oberen Ligen spielenden Vereinen immer wieder Millionen Euro für die Infrastruktur zur Verfügung, um in der obersten Spielklasse zu verbleiben oder dorthin zu kommen. Konsequenterweise müssen dann aber auch die Kommunen den Aufwand für die Polizei tragen.

Die Landesregierung in Stuttgart hat stets auf einen Kostenbeitrag verzichtet – mit dem Verweis auf die Stadionallianz, die ein Modell mit vielen Vorteilen ist. Im Wesentlichen funktionierte es; die Zahl an Einsatzstunden, an Delikten, an Risikospielen sank. Reibungen zwischen Polizei und Fangruppierungen verhinderte dies zwar nicht, etwa in den vergangenen Jahren in Stuttgart oder Karlsruhe, die dort die Stadionallianzen zeitweise belasteten. Sicher: Der Versand von Rechnungen für Polizeieinsätze wäre da sicher der einfachere Weg. Aber eben kein nachhaltiger in Sachen Sicherheit

Zahlreiche Fußballvereine haben schon viel für die Sicherheit getan. Und jene Vereine, die Nachholbedarf haben, wissen, was sie nachzuholen haben. Es geht im Wesentlichen um verbesserte Einlasskontrollen, die Zugangssicherung und die Überwachung sensibler Stadionbereiche, zudem muss das Einschleusen von Pyrotechnik durch Fans verhindert werden.

Die verschärfte Stadionallianz hat ihre Chance verdient. Die Realität in den Stadien in den kommenden Jahren wird die Messlatte für den Erfolg sein.

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