Stuttgart

„Man kommt einfach überall hin“

Uwe Frerichs verzichtet gerne aufs eigene Auto. Zu gut ist in Stuttgart das Angebot im öffentlichen Nahverkehr, sagt er: „Verlässlich, pünktlich und sauber“ – das sei nicht in jeder Stadt so.

  • Für Uwe Frerichs ist die einfachste Art sich in Stuttgart fortzubewegen, der Nahverkehr der SSB. In der Regel nutzt er die U5, um in die Innenstadt zu kommen.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

    Für Uwe Frerichs ist die einfachste Art sich in Stuttgart fortzubewegen, der Nahverkehr der SSB. In der Regel nutzt er die U5, um in die Innenstadt zu kommen.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Derzeit hat Uwe Frerichs kein Auto zur Verfügung. „Das ist in der Werkstatt“, und beim bestellten Neuwagen gibt es massive Lieferschwierigkeiten. Für den 75-jährigen Rentner aber kein Problem: „Ich kann auch ein halbes Jahr auf ein eigenes Fahrzeug verzichten“. Zu gut sei das Angebot des öffentlichen Nahverkehrs der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB). Von seinem Wohnort am Killesberg komme er schnell überall hin.

Wie zum Beweis schaut er zum Ende des Termins kurz auf die Uhr. „Ich muss los, habe noch einen Termin in der Innenstadt“, erklärt Frerichs und macht sich dann auf den Weg zur nahegelegenen Haltstelle der Buslinie 43. Zumeist nimmt er aber die Stadtbahnlinie U5 an der Haltestelle Killesberg. Nur sechs Minuten dauert die Fahrt bis zum Hauptbahnhof. „Das Angebot ist einfach perfekt“, lobt der Rentner.

Nahverkehr überzeugt durch weit verzweigtes Netz

Denn nicht nur die Innenstadt sei einfach und bequem erreichbar, sondern durch das weit verzweigte Streckennetz nahezu alle Ecken von Stuttgart. Laut SSB umfasst dies eine Länge von 845 Kilometern Länge. „Das ist in anderen Städten bei weitem nicht der Fall“, betont Frerichs. In seinem Berufsleben in der Baubranche haben er und seine Frau auch viele Jahre in Hannover und Frankfurt gelebt. Dort „ist das Angebot vor allem auch in die Vororte bei weitem nicht so gut“.

Neben dem weit verzweigten Netz schätzt der Rentner in erster Linie die Verlässlichkeit und Pünktlichkeit der Stadtbahnen und Busse. „Ich schaue außer beim Start auf dem Killesberg nur selten auf den Fahrplan, denn es dauert im Normalfall nur wenige Minuten bis die nächste Bahn oder der Bus kommt.“ Schließlich beträgt die Pünktlichkeit bei Bussen 90, bei der Stadtbahn gar 95 Prozent. Zudem seien alle Fahrzeuge in der Regel auch sehr gepflegt und „modern, wenn man teils mit anderen Großstädten vergleicht“.

Der erste Weg nach der Rente führt zum Abo-Schalter der SSB

Mit dem Eintritt ins Rentenalter folgte gemeinsam mit seiner Frau vor 13 Jahren die Rückkehr nach Stuttgart. Seinen Geschäftswagen musste er damals abgeben, „der erste Weg führte daher direkt zum Kundenschalter der SSB, um uns ein Abo zu kaufen“, betont der 75-Jährige. Inzwischen hat das Ehepaar auf das D-Ticket umgestellt. „Es ist am einfachsten“.

Davon hat er inzwischen auch die Nachbarn am Höhenpark überzeugt. Früher lösten diese auf dem Weg in die Stuttgarter Oper am Eckensee oftmals nur ein Kurzticket „als billigste Lösung“. Daher stiegen diese bereits am Hauptbahnhof aus und liefen die restliche Strecke zu Fuß, „obwohl der Weg von der Haltestelle Schlossplatz sehr viel kürzer und vor allem schöner ist“, sagt Frerichs schmunzelnd.

„I muß di Stroßaboh no krieaga“ – das Motto zum 75. Geburtstag

Aber nicht nur im direkten Umfeld wirbt der SSB-Fan für den Nahverkehr in der Landeshauptstadt. Auch Gäste aus anderen Teilen Deutschlands rät Frerich zumeist mit dem Zug anzureisen, „wenngleich der Hauptbahnhof derzeit peinlich ist“, gesteht der Rentner.

Denn dann kann er voller Begeisterung alle Ausflüge und Aktionen mit Bus und Stadtbahn planen. Dies hat sich inzwischen herumgesprochen. So wurde man bei der Suche nach einem Motto für seinen 75. Geburtstag im vergangenen Jahr schnell fündig. In Anlehnung an den Hit von Wolle Kriwanek lautet dieses: „I muß di Stroßaboh no krieaga, bloß dr Fünfer bringt me hoim“.

Damit schließt sich für Frerichs auch ein Stück weit der Kreis. Aufgewachsen im Kreis Rottweil führte ihn sein Weg als Zimmermann mit 18 Jahren nach Stuttgart. „Dabei habe ich auch längere Zeit beim Bau der Stadtbahnhaltestelle am Neckartor und am Tunnel in der Schiller- und Neckarstraße mitgearbeitet“, sagt der 75-Jährige ohne seinen Stolz verbergen zu wollen. Klar, dass alle Besucher auch diesen heutigen Verkehrsknotenpunkt besichtigen müssen.

Dabei hat er auch früh die Vorzüge des Nahverkehrs kennen gelernt. „Ich habe damals in Gablenberg gewohnt“, erinnert er sich gerne zurück. An der Technischen Oberschule hat er dann auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachgeholt und schließlich studiert. Die Fahrt dorthin erfolgte: Wie soll es anders sein, natürlich mit der Bahn und dem Bus. 20 Mark kostete damals ein Monatsticket für Schüler und Studenten. Früher wie heute weiß er das Angebot im Nahverkehr zu schätzen.

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