Die großen Unterschiede zwischen Renten und Beamtenpensionen empfinden viele Bürger als ungerecht – verständlicherweise. Die Beamten in die Rentenversicherung zu integrieren, wäre jedoch ein langwieriges Projekt mit zahlreichen juristischen Klippen. Deshalb hat die Rentenkommission diesen Systemwechsel nicht empfohlen. Stattdessen fordert sie, die Zahl der Beamten abzubauen. Das ist praktikabel, um nach und nach zu mehr Fairness zu kommen und zumindest auf längere Sicht Geld einzusparen.
Schluss also mit der Verbeamtung von Lehrerinnen und Lehrern! Sie haben zwar einen wichtigen Job für die Zukunft des Landes. Aber sie nehmen, anders als Polizisten, niemanden fest und beschlagnahmen auch, anders als Zollbeamte, keine großen Vermögenswerte. Ihre Aufgaben sind deutlich weniger risikobehaftet. Die Rentenkommission hat zu Recht empfohlen, den Beamtenstatus künftig auf Berufe mit hoheitlichen Aufgaben zu beschränken. Länder sollten Lehrkräfte künftig nur noch als Angestellte im öffentlichen Dienst beschäftigen.
Spricht überhaupt etwas für den Beamtenstatus von Lehrkräften? Das Argument, dass sie als Angestellte das Recht zu streiken haben, stimmt. Doch müssten dann nicht zwingend auch alle Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas verbeamtet werden? Eine absurde Vorstellung. Im Zweifel geht es um wenige Tage im Jahr. Das sollte nicht ausschlaggebend in einer Systemfrage sein. Für den Fall, dass einmal ein Teil des Kollegiums streikt, könnten auch weniger Lehrer als sonst mittels Digitalunterricht eine große Anzahl Schüler erreichen. Abgesehen davon dauert es Jahrzehnte, bis keine Beamten mehr unter den Lehrern sind.
Oft wird auch auf die Konkurrenzsituation der Länder verwiesen: Stoppt ein Bundesland die Verbeamtung von Lehrkräften stoppen, schnappen ihm die anderen die Nachwuchskräfte weg – eben, indem sie mit der Aussicht auf Verbeamtung für sich werben. Das ist in der Vergangenheit tatsächlich passiert. Dazu ist festzustellen: Eine abgestimmte Linie zwischen den Ministerpräsidenten ist nicht zu viel verlangt. Es ist ohnehin skandalös, dass 16 Länder mit ihrem Egoismus Eltern das Leben schwer machen, die von einem Bundesland ins andere ziehen. Der Bildungsföderalismus muss kooperativer werden. Ein gemeinsames Ende der Verbeamtungen wäre ein guter Anfang.
Das vermeintlich stärkste Argument gegen ein Ende der Verbeamtungen ist, dass es schon heute vielerorts an Lehrkräften fehlt. Und dass sich ohne die Aussicht auf einen unkündbaren Job und die hohe Pension nicht genug junge Menschen für den Beruf entscheiden würden.
Allerdings werden Lehrkräfte hierzulande im internationalen Vergleich durchaus ordentlich bezahlt – und wären es als Angestellte im öffentlichen Dienst definitiv immer noch. Wenn der Staat ernsthaft glauben sollte, Lehrkräfte in erster Linie mit der Aussicht auf den Beamtenstatus gewinnen zu müssen, wird er in vielen Fällen nicht die richtigen Bewerber für die Aufgabe finden.
OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hat nach dem katastrophalen Abschneiden Deutschlands bei der Pisa-Studie betont, wie entscheidend die Rolle der Lehrkräfte ist. Wenn sie echte Bezugspersonen für Schülerinnen und Schüler sind, lernen diese deutlich erfolgreicher. Deutschland braucht engagierte Lehrerinnen und Lehrer. Solche Menschen gewinnt man, indem man ihnen gute Arbeitsbedingungen bietet: von der Unterstützung durch Sozialarbeiter und Psychologen an den Schulen bis hin zu größtmöglicher Gestaltungsfreiheit. Wer in erster Linie wegen der Pension Lehrer werden will, sollte der Schule besser fernbleiben.
