Stuttgart

Kommentar: Vorbildlicher Optimismus

Kommentar: Vorbildlicher Optimismus

Jürgen Klopp hat im kleinen Finger so viel Coolness wie andere im ganzen Körper. Und er hat ein Talent dafür, die richtigen Worte zu finden. Der neue Bundestrainer hat vielen aus der Seele gesprochen, als er für „positiven Patriotismus“ warb. Der entscheidende Satz dabei: „Ich würde mir oder uns gerne die Fahne zurückholen.“

Viele erinnern sich da an die WM 2006, als – so das offizielle Motto – „Die Welt zu Gast bei Freunden“ in Deutschland war. Die Menschen feierten ihre Mannschaft und ihr Land, aber auch die Begegnung mit anderen Nationen. Warum sollten die Menschen nicht, wie Klopp es formuliert, „happy“ sein, dass sie in einem „wundervollen Land“ geboren oder auch dort zugezogen sind? Diese Form von Patriotismus umarmt auch diejenigen im Land, die nicht schon immer hier leben. Wie dumm es wäre, auf die Talente zu verzichten, deren Namen nicht klingen, als seien ihre Familien seit Jahrhunderten hier, zeigt ein Blick auf Klopps Nominierungsliste. Und auch auf viele Jugendmannschaften.

Der weltoffene Optimismus, den Klopp demonstriert, ist das, was das Land jetzt auf allen Ebenen braucht. Deutschland kann guten Fußball spielen, den Reformstau überwinden und sich auch wirtschaftlich ein Stück weit neu erfinden – wenn es daran glaubt und auch dafür arbeitet. Es darf aber nicht sofort das große Jammern und Nölen losgehen, wenn man am Anfang vielleicht auch mal ein Spiel verliert.

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