Im Vergleich zu Jens Spahn hat Thorsten Frei ein paar ganz offensichtliche Vorteile. Frei versteht es bestens, auch schärfste Forderungen und Aussagen in eine freundlich-verbindliche Tonlage zu packen. Während Spahn seine Position häufig so robust wie eine Walze vortrug, pflegt Frei eine deutlich leichtere Gangart, ohne allerdings inhaltlich besonders weit von Spahn entfernt zu sein. Nur weil Frei ausgesucht höflich und gepflegt auftritt, heißt das nicht, dass er nicht auch sehr konservative Positionen pflegt, beispielsweise in der Migrationspolitik.
Inhaltlich wird sich also nur wenig ändern, wenn der aktuelle Kanzleramtsminister ins Amt des Fraktionschefs wechselt. Es war eine sichere Wahl, zumal Frei selbst sich ohnehin eher diesen als den Job im Kanzleramt gewünscht hatte. Als ehemaliger parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion weiß er zudem, wie das Geschäft funktioniert. Weil er nach gut einem Jahr im Kanzleramt die Interessen der Regierungsseite kennt, wird er als Scharnier der Koalition wohl bestens funktionieren. Ob die Zusammenarbeit mit SPD-Fraktionschef Matthias Miersch so gut funktioniert wie zuletzt unter Spahn, muss sich noch erweisen. Doch auch hier dürfte die verbindliche Art helfen.
Die SPD kann sich die Personen ohnehin nicht aussuchen, mit denen sie es auf Unionsseite zu tun hat, obwohl diese Idee in Teilen der Partei kurzzeitig aufkam. Man darf Kontinuität erwarten, keinen Aufbruch.
