Es sind alles keine großen Dinge, aber sie häufen sich. Die Ministerpräsidenten der CDU-regierten Länder haben in der Mehrheit darauf verzichtet, am Wahlabend zu einer Präsidiumssitzung ihrer Partei zu erscheinen. Eine stellvertretende Generalsekretärin räumt ihren Posten nicht, obwohl Parteichef Friedrich Merz sie dazu aufforderte. Teile der CDU‑Fraktion fordern, bei der Steuerreform nachzuverhandeln. Die Ost-Ministerpräsidenten zweifeln am Beschluss, die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Bei Wahlkampfauftritten schlug dem Kanzler breiter Protest entgegen. Es riecht nach Autoritätsverlust.
Für die CDU lautet die Frage nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: stürzen oder stützen? Die kalte, rationale Entscheidung wäre es, an Merz festzuhalten, weil die Turbulenzen eines konstruktiven Misstrauensvotums oder eines Kanzlerwechsels kaum beherrschbar scheinen. Zumal sich in beiden Varianten in der Konsequenz Neuwahlen aufdrängten. Das wäre ein enormes Risiko für die CDU, vor allem aber ein Schaden für das Land. Das Manöver würde die notwendigen Reformen verzögern, wenn nicht verhindern.
Ein Nachfolger, ob er denn nun Hendrik Wüst, Daniel Günther oder auch Markus Söder hieße, hätte zudem dieselben sachlichen Probleme wie Merz: kein Geld, kaum Wachstum, enorme Ausgabenzwänge und eine reformunwillige Bevölkerung.
