Abseits der Öffentlichkeit sorgt der Mindestlohn vor Ort jeden Tag für immensen Verdruss. Die Studie, die der Deutsche Gewerkschaftsbund vorgelegt hat, ist ein Ausdruck dieses schwelenden Ärgers: 64 Milliarden Euro Schaden seien seit 2015 durch Mindestlohnbetrug entstanden, heißt es. Das sind so gigantische wie kaum nachvollziehbare Zahlen. Letztlich kommt es auch dem DGB auf die Tendenz, mithin die Botschaft, an.
Der Mindestlohn erzeugt auf beiden Seiten erhebliche Verwerfungen: Für viele Unternehmen stellen die im Niedriglohnbereich stark wachsenden Personalkosten eine massive Belastung dar. Doch Rationalisierung oder Digitalisierung sind zur Abwehr keine Allheilmittel, wo es ohne helfende Hände nicht geht. Preisanhebungen sind auch kein Selbstgänger. So bleibt der ökonomische Schaden stellenweise nicht aus.
Die Kehrseite: Nicht selten sind Arbeitgeber versucht, den Mindestlohn trickreich zu umgehen, etwa durch eine Ausweitung der Arbeitszeiten. Ein Paradebeispiel sind Beschäftigte mit ausländischen Wurzeln, die ihre Rechte nicht gut kennen oder sie nicht durchsetzen können. Die nicht aufmucken, um den Job nicht zu verlieren. Gesetzesbrüche müssten viel intensiver verfolgt werden, doch beschränkt sich die Finanzkontrolle Schwarzarbeit mangels Kapazitäten auf symbolhafte Aktionen. Letztlich sollten alle ein Interesse daran haben, kriminelles Vorgehen schwarzer Schafe zu unterbinden.
