Betrunkene an Bahnsteigen, die Fahrgäste mit einer Flasche Wodka in der Hand anpöbeln: Das soll nach dem Willen der Deutschen Bahn bald der Vergangenheit angehören. Die Idee, Alkohol an allen deutschen Bahnhöfen zu verbieten, ist nachvollziehbar. Dass sich dadurch allerdings wie erhofft die Sicherheit verbessert, erscheint bei der aktuellen Ausgestaltung unwahrscheinlich. Das fängt schon damit an, dass das Verbot nicht konsequent ausgestaltet wird. Es gilt nur an Bahnsteigen und in Bahnhofshallen. Das Trinken auf dem Bahnhofsvorplatz, in Imbissbuden oder im Zug bleibt erlaubt. Zudem gehören nicht alle Bahnhofshallen der Deutschen Bahn, was den Wirkungsbereich des Verbots weiter einschränkt. Wer gerne Alkohol trinkt, wird das weiterhin tun, nur eben an anderer Stelle. Das Problem wird damit nicht behoben, sondern nur verlagert.
Auch wird die Durchsetzung des Alkoholverbots schwierig. Um eine Gruppe von Fußballfans, die auf dem Weg Richtung Stadion sind, am Trinken zu hindern, müsste schon ein Großaufgebot an Polizisten im Einsatz sein. Personal, das die Bundespolizei nicht hat. Kein Wunder also, dass auch Innenminister Dobrindt noch Fragen hat.
Selbst bei Einzelpersonen ist die Kontrolle nicht einfach. Dazu müssten an allen 5400 Bahnhöfen fast rund um die Uhr Sicherheitsbeamte oder Polizisten präsent sein. Und das Verbot verhindert auch nicht, dass bereits Betrunkene den Bahnhof betreten.
