Die deutsche Landwirtschaft kämpft gegen mehrere Krisen gleichzeitig. Seit Beginn des Iran-Kriegs fragen sich Bauern, wann sie möglichst günstig genügend Dünger für das nächste Jahr einkaufen sollen. Der sehr heiße und trockene Sommer hat aus bis dahin gut wachsendem Weizen eine unterdurchschnittliche Getreideernte gemacht – und in einigen Regionen eine miserable. Mancherorts werden Tiere notgeschlachtet, weil nicht genügend Futter da ist. Immerhin: Zur Selbstversorgung reichen rechnerisch die vom Deutschen Raiffeisenverband geschätzten 40,6 Millionen Tonnen Getreide. Aber die 600 Millionen Euro Einnahmeverluste durch die Hitze wird die Branche spüren.
Was tut eigentlich Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer? Bekundet, dass er es ja regnen lassen würde, wenn er könnte, und begnügt sich ansonsten damit, auf die Lockerung des Sonntagsfahrverbots für Lkw zu verweisen, was ja der Landwirtschaft helfe. Mal davon abgesehen, dass wir über eine Maßnahme des Verkehrsministers und der Bundesländer reden: Ist das alles?
Rainers Tatenlosigkeit ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Folgen der Hitze den Süden besonders hart treffen – und damit Rainers bayerische Heimat, die noch für jeden CSU-Politiker wichtiger war als der Rest der Republik. Rainer erkennt damit zwei Realitäten an: Er hat kein Budget für spürbare Hilfszahlungen – und auch nicht das politische Gewicht, um daran etwas zu ändern.
