Stuttgart

Kommentar: Nicht die Geschichte vergessen!

Kommentar: Nicht die Geschichte vergessen!

  • Vier von inzwischen 1083 Stolpersteinen in Stuttgart.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

    Vier von inzwischen 1083 Stolpersteinen in Stuttgart.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Die sächsische Kleinstadt Heidenau ist weit weg. Und doch betrifft das, was der dortige Gemeinderat jetzt beschlossen hat, uns alle oder sollte uns alle betreffen. Denn die mit Stimmen von AfD, der CDU und einer lokalen Gruppierung getroffene Entscheidung, Stolpersteine auf öffentlichem Grund zu verbieten, sendet ein fatales Signal: Erinnern stört, macht Arbeit, wir sind dem überdrüssig.

Ja, es stimmt. Stolpersteine machen Arbeit. Erinnerungsarbeit. Und ja, auch das große München lässt keine Stolpersteine im öffentlichen Raum zu. Die Beweggründe dort sind jedoch ganz andere. Zudem fördert die Stadt München unter anderem sehr viel aufwendigere und teurere Erinnerungsstelen, die auf private Initiative hin an den Orten aufgestellt werden, wo Nazi-Opfer wohnten. Eine anonyme Erinnerungsecke auf dem städtischen Friedhof, wie in Heidenau geplant, kann dies nicht entfernt leisten.

Stolpersteine sind keine toten Steine. Sie sind eine sehr persönliche Form des Erinnerns. Sie lassen die Menschen hinter den Namen hervortreten und verschaffen denen, die von den Nationalsozialisten erst entrechtet wurden und dann verschwanden, ein Stück Aufmerksamkeit. Darin liegt die Kraft und Würde dieses Erinnerungsprojekts in Europa mit 128.000 verlegten Steinen. Der Anti-Stolperstein-Beschluss von Heidenau spricht all dem Hohn. Er ist ein Anti-Erinnerungsbeschluss. Hier gilt ohne Wenn und Aber: Wehret der Geschichtsvergessenheit!

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