Bisher haben es nur die Spatzen von den Dächern gepfiffen, jetzt ist es offiziell. Die Bundesregierung sieht Russland als Drahtzieher der Drohnenattacke auf den Leipziger Flughafen, die Anfang August gerade noch einmal glimpflich ausgegangen ist. Nicht wegen brillanter Abwehrmaßnahmen sondern dank sehr viel Glück. Mit der offiziellen Anschuldigung einher geht eine offizielle Reaktion. Berlin hatte Zeit, sich darauf vorzubereiten. Die war nötig, und sie wurde genutzt.
Der Grat zwischen Lächerlichkeit und Überreaktion ist bei einer Antwort schmal. Den Botschafter einzubestellen ist bei diesem Angriff eine notwendige, aber bei weitem keine ausreichende Maßnahme. Das zwischen Staaten oft übliche reziproke Vorgehen fällt aus. Dass deutsche Drohnen russische Flughäfen sabotieren ist weder machbar noch sinnvoll. Die nun verkündeten Strafmaßnahmen sind eine vernünftige und schnelle Handlungsoption. Klar, aber verantwortungsvoll. Dabei darf es nicht bleiben. Russland wird weiter machen mit Aktionen, die viele Sicherheitsexperten nicht mehr als hybriden Krieg bezeichnen, sondern als Vorbereitung zu einem bewaffneten Angriff. Deutschland muss sich organisieren, dagegen zu halten. Und das nicht alleine, sondern im europäischen Verbund. Russische Drohnen sind im Baltikum und in Polen, in Rumänien und in Bulgarien abgeschossen worden. Russland testet die EU und die Nato. Man kann sich nicht auf das Glück verlassen.
