Ganz ehrlich. Manchmal flucht man ja schon über die Hügel dieser Stadt. Jeden Meter aufwärts muss man sich erarbeiten. Aber als Kulisse ist dieses gottgegebene Amphitheater des Talkessels wunderhübsch. Das hat auch Red Bull erkannt. Und mit dem Radrennen Cerro Abajao geadelt.
Als erster und einziger Austragungsort Deutschlands durfte Stuttgart dienen. Und der Konzern zahlt auch noch den gesamten Spaß. Unwiderstehlich für Schwaben. Und egal, wie man zum Geschmack des Getränks steht oder zu den Praktiken des Konzerns im Profisport: Es war ein Spektakel. Mit einem ungeheuren Werbewert. Die Bilder gingen um die Welt. Sie zeigen ein Stuttgart, das aufregend ist, lebhaft, modern und eine ganz eigene Anmutung hat. Fast so wie San Francisco. Um beim Standardspruch von OB Frank Nopper zu bleiben. Auch wenn das nicht unserem Wesen entspricht, damit kann man auch mal angeben.
Es ist aber auch ein willkommener Erfolg für die Sportstadt. Nach dem peinlichen Eigentor einer Mehrheit des Gemeinderats, sich nicht um Spiele für die Fußball-EM der Frauen 2029 zu bewerben, war es dringend nötig zu zeigen, wir können und wir wollen Sportveranstaltungen. Handball-WM der Männer dieses Jahr, die Finals nächstes Jahr, die sind gebucht.
Doch was kommt dann? Wie stellt man sich ins Schaufenster? Die Schleyerhalle taugt nicht mehr für große Titelkämpfe, fällt mit dem nötigen Neubau auf Jahre hinweg aus. Es bedarf einer Idee, eines Planes. Red Bull darf gerne wiederkommen, aber das alleine reicht nicht. So ehrlich muss man sein.
