Soll es im Wahlkampf laufen, muss in den letzten drei Monaten in dieser Reihenfolge alles stimmen: der Kandidat oder die Kandidatin, die Motivation der eigenen Leute und – mit reichlich Abstand in der Bedeutung – die Inhalte. Was die Berliner CDU angeht, so läuft es in den ersten beiden Punkten denkbar schlecht. Der Regierende Bürgermeister und gewählte CDU-Spitzenkandidat Kai Wegner hatte über sein Krisenmanagement während des größten Stromausfalls seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs mehrfach öffentlich die Unwahrheit gesagt und sich dadurch vollkommen unglaubwürdig gemacht. Das brachte die ganze Stadt auf die Palme – besonders aber die Anhänger der CDU, die in den vom Stromausfall betroffenen Stadtteilen besonders stark vertreten sind.
Wegner hat jetzt folgerichtig auf seine Kandidatur verzichtet. Er hätte keine Chance gehabt. „Für den hänge ich keine Plakate auf“, hieß es immer wieder an der Basis. Jetzt soll Finanzsenator Stefan Evers übernehmen. Ob ihm ausreichend Zeit bleibt, den großen Rückstand in den Umfragen aufzuholen, steht auf einem anderen Blatt.
Obwohl die Stromausfall-Affäre Anlass genug wäre und an ihm klebt wie Pech, bedeutet das nicht, dass Wegner auch als Regierender Bürgermeister zurücktreten müsste. Doch auch das ist nicht ausgeschlossen. Berlin wird es aushalten, so oder so. Die Hauptstadt befindet sich ohnehin in einer Art Dauerkrise.
