Stuttgart

Kommentar: Glaubt den Frauen weiter!

Kommentar: Glaubt den Frauen weiter!

Was haben Sie gedacht, als Sie gehört haben, dass Staatsanwaltschaft und Polizei inzwischen davon ausgehen, dass die Vergewaltigung einer 16-Jährigen am Charlottenplatz offenbar vorgetäuscht war und nie stattgefunden hat?

Die junge Frau hatte angegeben, von zwei Männern vergewaltigt worden zu sein. Weit nach Mitternacht in einer Toilette an der Straßenbahnhaltestelle Charlottenplatz. Der erste Gedanke bei vielen war sicher: Bitte nicht! Was für eine Kaskade an Reaktionen wird nun einsetzen? Und was bedeutet das für die vielen Frauen, die wirklich Opfer einer Sexualstraftat geworden sind?

Denn als Folge der vermeintlichen Tat hatte noch im Juni sofort eine Diskussion über Gewalt gegen Frauen und Mittel dagegen wie Videoüberwachung, mehr Polizeipräsenz am Charlottenplatz und in der Stadt generell eingesetzt. Warum erfindet jemand eine solche Tat? War es für die Jugendliche der einzige Ausweg aus einer subjektiv ausweglosen Situation? War sie zu spät noch unterwegs oder hatte gar Angst vor einer möglichen Schwangerschaft nach Sex im Park? Wir wissen es nicht. Wir wissen nicht, in welcher psychischen Ausnahmesituation sie war. Aber offenbar war sie ja in einem Zustand, der Passanten alarmiert hat, ihr Hilfe anzubieten und die Polizei zu verständigen.

Vieles werden wir über diese Nacht vermutlich nie erfahren. Die junge Frau ist minderjährig. Die Ermittlungsbehörden halten sich aus gutem Grund bewusst zurück. Was wir aber wissen, ist, dass die Zahl der sexuellen Übergriffe gegenüber Frauen und Mädchen stetig zunimmt. Daran ändert auch dieser Fall nichts. Aber zugleich steht außer Frage, dass diese wohl erfundene Geschichte den Frauen einen Bärendienst erwiesen hat, die den Mut haben, ihre Vergewaltiger anzuzeigen. Sie kämpfen ohnehin schon um ihre Glaubwürdigkeit.

Wahr bleibt trotz allem eben auch, dass es in Städten – auch in Stuttgart – weiterhin Angsträume für Frauen gibt. Dieser abwägend unaufgeregte Blick ist allen zu wünschen, die mit Verweis auf die vorgetäuschte Tat diese Gefahr kleinreden wollen.

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