Stuttgart

Kommentar: Geknickter Spannungsbogen

Kommentar: Geknickter Spannungsbogen

Stuttgart - Fußball ist ein dynamisches Spiel. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch in der Entwicklung von Regeln und Abläufen. Die Älteren erinnern sich: Wenn vor 30 Jahren ein Ball gen Tribüne gehämmert wurde, dann dauerte es seine Zeit, bis er den Weg zurück zu den Spielern aufs Feld gefunden hatte. Bei Weltmeisterschaften gibt es erst seit 1998 die Regel, dass mehrere Spielgeräte bereitliegen. Eine gute Entscheidung, im Sinne des Sports. Die Bundesliga folgte mit Verzögerung.

Weder gut noch im Sinne des Sports war, was sich am Finaltag in New Jersey in der Halbzeitpause abgespielt hat. BTS, Shakira, Madonna und zahlreiche andere Künstler traten zum Mini-Konzert an. Kein Wunder, dass diese Pause mit insgesamt 27:33 Minuten zur längsten der WM-Geschichte wurde. Es war eine beeindruckende Show, aber am falschen Platz. Für die Routinen in der Kabine ist so ein Exzess kontraproduktiv, für die meisten Zuschauer an den Fernsehgeräten mindestens Zeitverschwendung. Dass der Werbeblock noch eine Sportveranstaltung drumherum hat, mag beim Super Bowl, dem Finale der US-Profiliga im American Football, gang und gäbe sein. Es ist eine Art von Amerikanisierung, die dem Fußball erspart bleiben sollte. Hier stehen bisher das Spiel und seine Akteure im Mittelpunkt, und das sollte auch so bleiben. Mit derart geknickten Spannungsbögen wie in den USA wird ein Spiel bald drei Stunden dauern. Da helfen dann auch nicht mehr Bälle.

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