Schon wieder eine Datenpanne im Kultusministerium. Diesmal haben rund 100 Abiturienten fehlerhafte Abi-Zeugnisse erhalten. Die Durchschnittsnoten – also das, worum es beim Abi letztlich geht – wurden wohl falsch berechnet. Der Fehler soll in der Software eines privaten Unternehmens liegen. Schulverwaltung und Digitalisierung: Das ist einfach nur ein peinliches Trauerspiel. Natürlich wirkt der Schaden jetzt überschaubar. 90 Betroffene bei 30.000 Abiturienten, das ist nicht die Welt. Und immerhin wurde der Fehler noch im laufenden Schuljahr bemerkt. Kein Abiturient muss wegen des Themas den Sommerurlaub abbrechen. Auch dürfte die Sache in den meisten Fällen keine schweren Folgen haben. Falls in Einzelfällen jemand mit einem falsch zu guten Notenschnitt für ein zulassungsbeschränktes Studium angenommen worden sein sollte, auf das er eigentlich keine Chance gehabt hätte, müsste sich das klären lassen.
Doch die Gesamtschau fällt verheerend aus. Die Schulverwaltungs-Software ASV: eine 20 Jahre alte und 50 Millionen Euro schwere Minderleistung. Die digitale Bildungsplattform „Schule@BW“: so nutzerfreundlich wie ein Smart-TV mit Drehknöpfen. Die Lehrerstellen-Verwaltung: Derart löchrig, dass 2500 „Geisterstellen“ spurlos verschwinden konnten. Die Landesregierung hat sich das Thema Staatsmodernisierung auf die Fahne geschrieben. Im Kultusbereich muss sie dringend damit anfangen.
