Stuttgart

Kommentar: Ein Verhalten, das die Demokratie gefährdet

Kommentar: Ein Verhalten, das die Demokratie gefährdet

Stuttgart - Es gibt gute Gründe, um einer Leihmutterschaft kritisch gegenüberzustehen. Diese Gründe sind in erster Linie gesellschaftspolitisch motiviert. Keine Kommerzialisierung des Kinderkriegens, keine Ausbeutung armer Frauen. Es gibt ebenso gute Gründe, Leihmutterschaften zu befürworten. Diese Gründe sind in der Regel sehr persönlich, nicht nur von gleichgeschlechtlichen Paaren. Dem eigenen Kinderwunsch kann im Einzelfall vielleicht nur so erfolgversprechend nachgekommen werden. Jeder kann guten Gewissens die eine oder die andere Ansicht vertreten. Jens Spahn aber macht gesellschaftspolitisch das eine, privat das andere. Das ist ein Unding.

Ganz klar: Mit der Leihmutterschaft in den USA hat der CDU-Fraktionschef keine Gesetze gebrochen. Aber er hat etwas für sich in Anspruch genommen, was er finanziell weniger gut ausgestatteten Zeitgenossen hierzulande untersagt. Rechtlich ist der Gang über die Grenze jedem möglich, bezahlen können das aber die wenigsten. Spahn macht damit genau das, was man Politikern sowieso häufig vorwirft: Er predigt Wasser, labt sich aber selbst am Wein. Dieses Verhalten ist Gift für die Reputation der Politik, es ist sogar ein kleines Stück weit demokratiegefährdend. Das Mindeste, das Spahn nun machen könnte, ist, offensiv dafür zu werben, dass die Leihmutterschaft auch hierzulande möglich wird. Bisher ist kein Verhalten erkennbar, das in diese Richtung deutet.

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