Björn Höcke führt gerne die Demokratie vor. Vordergründig sind die anderen Parteien das Ziel des Thüringer AfD-Chefs, in Wahrheit geht es dem Rechtsextremen um das demokratische System in Gänze. Bereits 2020 hatte ein Schachzug Höckes bundesweit Aufmerksamkeit erregt, als der FDP-Politiker Thomas Kemmerich mit den Stimmen der AfD-Fraktion zum Ministerpräsidenten gewählt wurde – obwohl sie einen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte.
Höckes öffentlich bekundete Bereitschaft, Sahra Wagenknecht zur Ministerpräsidentin zu wählen, ist nur auf den ersten Blick eine ausgestreckte Hand, auf den zweiten vielmehr ein vergiftetes Angebot. Bei aller Kritik an der Brandmauer hat sich die einstige Frontfrau der Linken zumindest früher auch an Höcke abgearbeitet. Höcke weiß auch, dass die Thüringer BSW-Chefin Katja Wolf sehr schlecht auf die Parteigründerin zu sprechen ist und sie nicht wählen würde – erst recht nicht mit Unterstützung der AfD, mit der Wolf nichts zu tun haben möchte.
Höcke hat mit seinem Vorstoß wieder einmal Aufmerksamkeit erzeugt. Vielleicht war das auch das Ziel. Doch Höcke, der sich für einen großen Strategen hält, hat einen Aspekt nicht berücksichtigt: Er spricht Wagenknecht die Fähigkeit zu, sein Bundesland zu führen – just als Höckes Parteifreund Ulrich Siegmund die Abgrenzung zum BSW sucht, weil die Partei seine absolute Mehrheit in Sachsen-Anhalt verhindern könnte.
