Russland werde nicht durch Sanktionen von seinem Krieg gegen die Ukraine abgebracht, sagt Finnlands Präsident Alexander Stubb. Auch zweifelt der Staatschef daran, dass Russland einen Angriff auf die Nato unternehmen werde. Dabei dürfte es sich um zutreffende Einschätzungen handeln, getroffen aus einer Nation, die leidvolle Erfahrungen mit dem Nachbarn gesammelt hat.
Diese Haltung klingt vernünftig. Wie aber sollte sich ein europäischer Staat verhalten, der zwar nicht direkt, aber indirekt von Russland angegriffen worden ist? Diese Frage stellt sich aktuell und sehr konkret in Deutschland. Falls Moskau wirklich hinter der Drohnenattacke am Leipziger Flughafen steckt, muss das Konsequenzen haben. Sanktionen sind dabei ein Instrument, das scharfen Protest signalisiert, die Lage aber auch nicht unnötig verschärft, auch weil sie nur eingeschränkt wirken, die politische Führung nur selten treffen.
In einem Punkt hat Stubb allerdings recht. Die diplomatischen Beziehungen mit Russland müssen wieder intensiviert werden und sollten nicht ausschließlich über die USA laufen. Nur wer weiß, wie der Gegner denkt, kann angemessen auf ihn reagieren. Das bedeutet keine Annäherung, aber eine Formalisierung mit Nutzen für beide Seiten, ein Sicherheitsnetz gegen Missverständnisse. Diese Lehre aus dem Kalten Krieg ist in den vergangenen Jahren zu sehr in Vergessenheit geraten.
