Stuttgart

Kommentar: Die Normalität in der AfD

Kommentar: Die Normalität in der AfD

Die AfD-Parteichefs Tino Chrupalla und Alice Weidel überschütten sich beim Parteitag gegenseitig mit dem Attribut „geliebt“ und mit sonstigen verbalen Bekenntnissen ihrer Zuneigung. Die Wahrheit ist: Jeder von beiden würde den anderen sofort fallen lassen, wenn es ihn voranbringen würde oder zum eigenen politischen Überleben nötig wäre.

Essen - Innere Widersprüche und brachiale Kämpfe gehören in der AfD zur Normalität. Dass die Vorsitzenden im Kontrast dazu für die Öffentlichkeit eine große harmonische Show der Gemeinsamkeit inszeniert haben, kann man ihnen nicht vorwerfen. Das gehört zum politischen Handwerk und ist auch in anderen politischen Parteien üblich.

Die Regierungsparteien, aber auch CDU und CSU als Opposition sollten deshalb gewarnt sein: Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass die AfD sich rechtzeitig vor Wahlen öffentlichkeitswirksam selbst zerlegt. Die Europawahl hat ohnehin gezeigt: Viele Wählerinnen und Wähler lassen sich noch nicht einmal durch höchst peinliche Vorgänge um den Spitzenkandidaten abschrecken. Die AfD geht – selbst im Vergleich zu den rechtspopulistischen Parteien in Europa – einen Sonderweg. Während andere versuchen, zumindest ein Stück in die politische Mitte zur rücken und dort anschlussfähiger zu werden, ist die AfD seit ihrer Gründung immer weiter an den äußersten rechten Rand gerückt. Keiner ihrer Wähler wird noch glaubwürdig behaupten können, er hätte das nicht gewusst.

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