Bei jedem Fehler, den der künftige Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann machen könnte, wird ihn sein Interview aus dem Jahr 2025 einholen. Darin stellte er seine eigene Qualifikation für diesen Job in Frage. Das wird dem künftigen Bundesverkehrsminister Steffen Bilger nicht blühen: Von 2018 an war der Ludwigsburger Bundestagsabgeordnete drei Jahre lang Staatssekretär im Verkehrsressort. An Bilger haftet allerdings der Makel, nur die zweite Wahl von Bundeskanzler Friedrich Merz zu sein. Das ist verschmerzbar, und könnte durch gute Arbeit als Verkehrsminister in Vergessenheit geraten.
Wichtiger als die bisherige Kompetenz in bestimmten Fachbereichen scheint für Friedrich Merz ohnehin die Loyalität zum Chef – also zu sich selbst – zu sein. Bilger hat daran bisher keinen Zweifel gelassen. Als Merz bei der „Stadtbild“-Debatte in der Kritik stand, war er einer der ersten, die dem CDU-Chef öffentlich zur Seite gesprungen sind.
Zudem hat Bilger in der Vergangenheit gezeigt, dass er den Mund halten kann, wenn es nötig ist. Eine Reise nach Taiwan in hoch offizieller Mission hielt er lieber zurück, um keine diplomatischen Verwicklungen mit China auszulösen. Bilger hat damit bessere Startvoraussetzungen im Ministeramt, als manch ein anderer Kollege. Was er daraus macht, und ob es dem Chef dann auch gefällt, ist freilich eine ganz andere Frage.
