Brett Kavanaugh ist von US-Präsident Donald Trump an den Obersten Gerichtshof berufen worden. Wenn der konservative Richter nun mit der Mehrheit seiner Kollegen die präsidialen Pläne zur faktischen Verhinderung der Briefwahl stoppt, dann ist das ein durchaus beachtliches Ereignis. Das gilt auch für den richterlichen Hinweis, es sei „willkürlich und launenhaft“, diese Änderungen mitten in der Wahlperiode durchzuführen. Eine totale Abkehr von Donald Trump ist es nicht. Kavanaugh glaubt auch, dass „zumindest eine realistische Aussicht“ bestehe, dass Trumps Dekret im Rahmen seiner Befugnisse liege. Genau darüber ging der Streit, der das Land den gesamten Sommer über beschäftigt hat.
Donald Trump hat vor dem höchsten Gericht nun erst einmal verloren, ein Ziel hat er aber dennoch schon erreicht. Die Verwirrung ist groß. Dabei ist Unsicherheit das Letzte, was eine demokratische Wahl braucht – gerade in den USA. Das Märchen von der gestohlenen Wahl 2020 ist bei den Anhängern des Präsidenten eine noch immer gern gehörte Erzählung. Nun hat Trump die Briefwahl, die bei Demokraten traditionell beliebter ist als bei Republikanern, so sehr in Misskredit gebracht, dass die Saat für ein Folgemärchen ausgelegt ist, sollten die Zwischenwahlen im November nicht das gewünschten Ergebnis bringen. Danach sieht es derzeit aus. Und das liegt sicher nicht an der Briefwahl.
