Stuttgart

Kommentar: Aus dem Off ins Zentrum der Macht

Kommentar: Aus dem Off ins Zentrum der Macht

Dass der parteilose Tübinger OB ausgerechnet in einer von seiner ehemaligen Partei geführten Regierung wieder eine Rolle spielen würde, kam wegen seiner persönlichen Beziehung zu Ministerpräsident Cem Özdemir zwar nicht komplett unerwartet. Aber es bleibt dennoch erstaunlich, wie der einst verbrannte Palmer plötzlich „Rat für Staatsmodernisierung“ wird – ein ehrenamtlicher Posten zwar, aber einer mit viel Strahlkraft.

Palmer war 2023 nicht ohne Not bei den Grünen ausgetreten. Zuvor lief ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn. Weite Teile der Grünen hielten sein Verhalten, vor allem ständige Tabubrüche, für parteischädigend. Möglicherweise hat Palmer eine zweite Chance im Dunstkreis grüner Politik verdient – infolge der Eskalation nahm Palmer professionelle Hilfe in Anspruch. Doch das Signal, das Özdemir mit der Postenbesetzung in seine eigene Partei sendet, könnte sich für ihn noch rächen: An der Basis herrscht Unmut über die Entscheidung.

Özdemir bekräftigt mit der Berufung Palmers den Kurs, den er zu Beginn seiner Amtszeit angekündigt hatte: erst das Land, dann die Partei. Er gewichtet die Palmer nachgesagten Fähigkeiten beim Bürokratieabbau und womöglich auch persönliche Wertschätzung offenbar stärker als innerparteiliche Befindlichkeiten. Und geht dabei darüber hinweg, dass ihn viele auch gewählt haben, um Manuel Hagel zu verhindern. Jetzt haben sie Palmer bekommen.

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