Armin Käfer Stuttgart - Wie erklärt man einem Kind, was ein Egomane ist? Jedes Kind kennt Donald Trump. Dessen schlechtes Vorbild spricht für sich. Seine Politik ist durchdrungen von Egomanie. Das gilt insbesondere gegenüber Menschen, die der Hilfe bedürften – und sich auf amerikanische Hilfe verlassen konnten, bevor Trump in den USA wieder das Präsidentenamt übernommen hat. Nun ist alles anders. Unter Trumps Regie haben die Vereinigten Staaten 66 internationale Organisationen, Behörden und Kommissionen verlassen – darunter zahlreiche Institutionen, die dort Hilfe leisten, wo Not, Elend und Hunger herrschen. Trump ließ die amerikanische Entwicklungshilfe unter dem Dach der United States Agency for International Development (USAID) einstampfen. Achim Steiner, der bis 2025 das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen geleitet hat, befürchtet „eine Art Dominoeffekt“ – just zu einer Zeit, da mehr an internationaler Solidarität nötig wäre. Darauf hat die Welthungerhilfe an diesem Donnerstag hingewiesen. Die Verweigerung von Solidarität im Stile Trumps hat ihren Preis. Zudem verschärfen seine erratische Zollpolitik, der aus Washington befeuerte Konflikt am Persischen Golf und die von Trump verleugnete Klimakrise die Not in vielen Regionen auf dem Globus. Aus den Vereinigten Staaten kam bisher ein Drittel aller Hilfsmittel weltweit. Wenn dieses Geld ausbleibt, werden mehr Menschen verhungern oder an Krankheiten sterben. Am Beispiel von Ebola lässt sich das schon besichtigen. Kürzungen bei Hilfsprogrammen beschleunigten die Ausbreitung der Seuche. Das Ebola-Virus profitiert von Trumps Politik. Schon jetzt seien „alle Worst-Case-Szenarien bei weitem übertroffen“, bilanziert der Entwicklungshilfe-Experte Stephan Klingebiel. Er nennt Trumps Egomanie eine „rein eigeninteressengeleitete Geoökonomie“. Das Abwürgen von USAID werde Millionen Tote fordern, warnen Wissenschaftler im Fachmagazin „The Lancet“. Das Austrocknen der Hilfsquellen, denen Trump den Geldhahn zudreht, können andere Länder nicht ausgleichen. Deutschland ist nach den Vereinigten Staaten der wichtigste Geldgeber für Hilfsprojekte. Doch auch hierzulande setzt die Bundesregierung den Rotstift bei der Entwicklungshilfe an. Der Koalitionsvertrag von Union und SPD peilt eine „angemessene Absenkung“ der dafür vorgesehen Mittel an – mit denen keineswegs nur die skandalisierten „Radwege in Peru“ gefördert werden, wie Populisten den Eindruck erwecken möchten. Davon wären auch Institutionen wie die Welthungerhilfe betroffen, die fast 20 Millionen Menschen in 37 Ländern unterstützt, welche unter Hunger, Armut und Epidemien leiden. Jene Kräfte, die glauben, sie seien eine Alternative für Deutschland, möchten das für Entwicklungshilfe zuständige Ministerium gleich komplett abschaffen. Deren Horizont endet offenbar an Rhein und Oder. Politische Kurzsichtigkeit solcher Art ist riskant. In die Lücken, die Trump aufreißt, könnten andere vorstoßen, deren Absichten auch deutschen Interessen zuwider laufen, allen voran China. Eine Politik, die sich Trumps Egomanie zum Vorbild nimmt, könnte sich letztlich als unpatriotisch erweisen. Von Entwicklungshilfe profitieren nicht nur die unmittelbaren Adressaten. Sie dient nie allein dem Selbstzweck oder der Barmherzigkeit. Wer an Hilfe spart, fördert die von Trump beschleunigte Destabilisierung der Welt. Diese wiederum lässt Migrationsströme anschwellen, die Europa gerade einzudämmen versucht. Unterlassungssünden bei der Hilfe für Menschen in Not könnten sich zum Sicherheitsrisiko auswachsen. Wer hilft, hilft sich am Ende auch selbst.
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