Stuttgart

Hape Kerkeling als Bundespräsident?

Der Wunsch nach einem Politiker, der kein Politiker ist, wird immer größer. Doch es besteht ein großer Irrtum.

Jürgen Klopp macht fast alles richtig, was Friedrich Merz (CDU) vor allem falsch macht, also dieses Kommunikationsding. Klopp hört sich eine Frage an und zögert erst einmal mit der Antwort, während Merz seine Replik meist wie aus der Pistole feuert. Klopp spricht auf Augenhöhe mit den Leuten. Merz doziert über die mittelfristige Finanzplanung der EU. Die Frage lautet nun, ob die Leute die Kloppo-Sprüche immer noch so toll fänden, wenn er ihnen beibiegen müsste, dass es die Rente mit 63 bald nicht mehr gibt.

Der Wunsch nach besseren Politikern dürfte so alt sein wie die Politik selbst. Immer schon standen Politiker unter dem Verdacht, sich selbst zu bereichern, faul und gewissenlos zu sein und vor allem an der eigenen Macht zu hängen. Abgehoben seien sie ohnehin, gelernt hätten sie nichts und richtig gearbeitet schon gar nicht. Das stimmt alles so nicht, jedenfalls nicht hierzulande, und trotzdem herrscht die Vorstellung, dass es endlich mal einer machen müsste, der sympathisch daherkommt und allein deshalb schon alles besser machen würde. Ulrich Siegmund hat in Sachsen-Anhalt gerade vorgeführt, wie gut das funktionieren kann. Er hätte einer Casting-Show entspringen können: Die AfD sucht den Super-Kandidaten.

Kein Wunder also, dass dieser Tage die Idee aufkam, den Schauspieler und Entertainer Hape Kerkeling zum nächsten Bundespräsidenten zu wählen. Frank-Walter Steinmeiers Amtszeit endet Anfang 2027, ein Platz wird frei im provisorischen Präsidentengebäude. Fast 150.000 Menschen können nicht irren. So viele haben jedenfalls die entsprechende Initiative unterzeichnet, die Kerkeling als „Brückenbauer für eine verunsicherte Gesellschaft“ beschreibt.

Warum sollte man sich mit der CSU-Politikerin Ilse Aigner begnügen, wenn es doch der Kerkeling viel besser kann? Er hat immerhin eine bewegende Rede in der Gedenkstätte Buchenwald gehalten. Oder sonst eben Klopp. Und was macht eigentlich Günther Jauch?

Stimmt schon, Steinmeier hat sich auch als Brückenbauer versucht, indem er etwa sein Amt immer mal wieder in eine andere Stadt oder an einen anderen Ort verlagert hat. Symbolisch, versteht sich. Kein Bundespräsident vor ihm hat den Versuch, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, so systematisch betrieben. Er hat zu verstehen versucht, was dieses Land noch zusammenhält und was es auseinandertreibt. Zu einer Identifikationsfigur ist er trotzdem nicht geworden. Ist er deshalb ein schlechter Bundespräsident?

Im Hintergrund sorgte das deutsche Staatsoberhaupt für Stabilität, als er nach dem Scheitern der Jamaika-Gespräche im Jahr 2017 die Parteien mit Nachdruck dazu drängte, doch noch eine tragfähige Regierung zustande zu bringen. Am Ende trat die SPD erneut in eine Große Koalition unter Angela Merkel ein.

Steinmeier kennt die handelnden Akteure, die Strippenzieher, ihre Nöte und Zwänge – und natürlich auch ihre Ambitionen. Er kennt das Handwerk. Denn auch Politik ist ein Handwerk, das man gelernt haben muss. Klopp, Kerkeling und Jauch sind sicher gute Typen, die Millionen begeistern können. Politik müssten aber auch sie erst einmal lernen, im Amt sogar mit Lernturbo.

Umgekehrt würde ja auch keiner auf die Idee kommen, CSU-Chef Markus Söder als Hauptdarsteller eines Musicals zu besetzen, nur weil er in der Sendung „Inas Nacht“ „Sie hieß Mary Ann“ gesungen und dabei eine durchaus respektable Figur gemacht hat.

Aber wer weiß, einen singenden Bundespräsidenten hat es in der Geschichte der Republik schon mal gegeben und einen klavierspielenden Bundeskanzler auch. Beide hatten übrigens Politik gelernt.

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