Kaum ein Präsident hat mehr für die Nato getan als Joe Biden, der das Bündnis im Moment seiner größten Herausforderung mit sicherem Instinkt geführt hat. Nach dem Überfall der Ukraine bewies er viel Fingerspitzengefühl, der russischen Aggression mit Entschlossenheit entgegenzutreten. Er positionierte die Nato als Garanten für die Sicherheit der Verbündeten in Europa.
Niemand weiß die Verdienste dieses US-Präsidenten mehr zu schätzen als die nun in Washington versammelten Staats- und Regierungschefs des vor 75 Jahren an dieser Stelle gegründeten Militärbündnisses. Das Meiste für sein Erbe als erfolgreicher Sicherheitspolitiker könnte Biden tun, wenn er den Weg jetzt frei macht für einen Generationswechsel im Weißen Haus. Der 81-Jährige hat erkennbar weder physisch noch mental die Kraft, ein starker Führer der USA und der Freien Welt zu sein. Die jüngsten Spekulationen über eine Parkinson-Erkrankung verstärken bloß diesen Eindruck.
Es hilft dabei leider nicht, dass sein Herausforderer ein verurteilter Straftäter, notorischer Lügner und Großmaul ist, aus dem oft genug selbst unsinniger Wortsalat strömt. Biden darf in dieser Situation weder Stolz noch Altersstarrsinn daran hindern, das Richtige zu tun. Sein größter Verdienst für die Nato wäre ein Rückzug in Würde. Es wäre eine Tragödie, wenn einer, der so viel für die Verteidigung der Demokratie weltweit getan hat, zu ihrem Totengräber wird.
