Stuttgart - Was genau in dieser Nacht auf den 27. Juni passiert ist; wir wissen es nicht. Fest steht aber: Die 16-Jährige hat laut Polizei eingeräumt, die angebliche Vergewaltigung in einer Toilettenanlage am Charlottenplatz vorgetäuscht zu haben. Zuvor waren die Ermittler auf Widersprüche in ihrer Schilderung gestoßen.
Nun könnte man meinen, dass sie Stuttgarter Feministinnen damit einen Bärendienst erwiesen hat. Doch laut dem Frauenkollektiv Stuttgart ist dies keineswegs so: „Wir sind mitnichten sauer auf die Person“, betont Mari S., die sich im Frauenkollektiv engagiert, aber nicht ihren ganzen Namen nennen möchte. „Womöglich wurde die Frau eingeschüchtert oder hat sich geschämt.“ Für diese Vermutung gibt es allerdings bislang keine Anhaltspunkte.
So oder so mache dieser Fall nicht wett, was generell an Gewalt gegen Frauen verübt werde. Schwierig findet sie zudem die Begrifflichkeit der „erfundenen“ Vergewaltigung: „Man war nicht dabei und weiß nicht, was passiert ist“, sagt sie.
Welche Rolle haben die „Pfleger des Patriarchats“?
Als „anstrengend“ bezeichnet Mari S. die Sicherheitsdiskussion, also mehr Videoüberwachung und Polizeipräsenz, die dieser Fall sofort losgetreten habe. So hatte unter anderem der Stuttgarter Oberbürgermeister Frank Nopper angekündigt, ein Maßnahmenpaket für mehr Sicherheit am Charlottenplatz umzusetzen.
Die Stadt stand offenbar im Austausch mit den Eigentümern der Geschäfte in der Haltestelle und der SSB, um weitere Maßnahmen zu erörtern, mit denen die Sicherheit dort erhöht werden soll. Dabei sollte auch mobile Videoüberwachung eine Rolle spielen. Daran hält Nopper fest, auch wenn diese Vergewaltigung laut den Ermittlungen der Polizei nicht stattgefunden hat.
„Eine schnelle Lösung für Vergewaltigungen und Femizide an Frauen wird es nicht geben“, betont Mari S. vom Frauenkollektiv. Denn zwar würden ständig Täter von Femiziden und Vergewaltigungen gefasst und verurteilt, „doch am nächsten Tag mordet oder vergewaltigt ein anderer“.
Wichtiger fände sie die Debatte darüber, warum dies passiere und welche Rolle die „Pfleger des Patriarchats“ übernähmen, also diejenigen, die patriarchale Strukturen in der Gesellschaft unterstützten.

