Stuttgart - Der Fahrer eines sportlichen BMW 740i ist viel zu schnell unterwegs, als er sich bergwärts zwischen Hedelfingen und Lederberg einer 180-Grad-Rechtskurve nähert. Der PS-starke Bolide gerät auf die Gegenfahrbahn und stößt frontal mit einem entgegenkommenden Skoda-Kleinwagen zusammen, auf den von hinten ein Kleintransporter auffährt. Eine 63-jährige Beifahrerin im Skoda wird tödlich verletzt. Zweieinhalb Jahre später spielt dieser Unfall auch für die Bundespolizei an der bayerisch-tschechischen Grenze ein Rolle. Sie nimmt einen 27-Jährigen fest, der damals den BMW steuerte – und später vor der Strafverfolgung untergetaucht war.
„Irgendwann im Mai 2025 war der Beschuldigte nicht an seiner gemeldeten Adresse und auch sonst nicht mehr auffindbar“, sagt die Stuttgarter Staatsanwaltssprecherin Stefanie Ruben. Offenkundig wollte er sich dem Strafverfahren wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung nicht stellen. Die Staatsanwaltschaft beantragte daraufhin einen internationalen Haftbefehl gegen den Mann aus dem Raum Stuttgart. Nicht ausgeschlossen, dass sich der rumänische Staatsbürger womöglich auch in sein Heimatland abgesetzt haben könnte.
Am 20. Januar 2024 waren die Straßen winterglatt, es galt das Fahrverhalten den Witterungsbedingungen anzupassen. Ob der damals 25 Jahre alte BMW-Fahrer mit Sommerreifen unterwegs war, wie ursprünglich vermutet, ist nicht überliefert. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft sollen sie jedoch deutlich abgefahren gewesen sein. Und weil der Fahrer nach Auffassung der Strafverfolger zu schnell war, kam es um 15.25 Uhr zu dem folgenschweren Unfall.
In der scharfen Rechtskurve von der Heumadener Straße zur Hedelfinger Filderauffahrt unterhalb von Lederberg verlor der BMW-Fahrer die Kontrolle. Wohl aufgrund zu starker Beschleunigung soll der Wagen ausgebrochen und auf die Gegenfahrbahn geraten sein. Dort war eine 62-jährige Skoda-Fahrerin mit ihrer Beifahrerin talwärts unterwegs – die Fahrzeuge prallten frontal zusammen. Dann krachte von hinten auch noch ein Renault-Transporter in die Unfallstelle. Die Beifahrerin starb, vier Unfallbeteiligte wurden leicht, eine schwer verletzt. Der Schaden wurde von der Polizei auf 100.000 Euro geschätzt.
Anders als bei den Gerichtsverfahren um tödliche Unfälle am Olgaeck in der Stuttgarter Innenstadt im Mai 2025, als ein Geländewagenfahrer eine Passantin tötete, oder in Esslingen-Weil im Oktober 2024, als eine Mutter mit ihren zwei Kindern von einem schleudernden Auto tödlich verletzt wurden, stellte sich der Beschuldigte nicht dem Verfahren der Justiz. Er tauchte unter.
Am Wochenende allerdings war die Flucht zu Ende. Bei einer Kontrolle der Bundespolizei auf der Autobahn 6 beim Grenzübergang Waidhaus in der Oberpfalz ging der 27-Jährige ins Netz. Die Beamten kontrollieren dort den Grenzverkehr zwischen Bayern und Tschechien. Ob der Beschuldigte sich nach Rumänien absetzen wollte oder dort immer wieder gependelt war, ist vorerst unbekannt. Am Sonntag jedenfalls brachten ihn die Bundespolizisten nach Stuttgart. Inzwischen wurde der Haftbefehl in Vollzug gesetzt.
