Stuttgart - Das Insolvenzverfahren ist beendet. Die Geschichte des Schuhhauses Horsch geht weiter! Seit Januar hat Felix Horsch gemeinsam mit Insolvenzverwalterin und Rechtsanwältin Nora Sickeler versucht, den 75 Jahre alten Familienbetrieb am Leben zu halten. Mit Erfolg. Nun präsentiert sich der Schuhspezialist deutlich schlanker und ausschließlich online. Vor wenigen Tagen wurde auch die letzte Filiale samt Lager im ehemaligen Kodak-Areal in Stuttgart-Wangen, Hedelfinger Straße 54, geschlossen. Zuvor machten die Geschäfte in Hamburg, Düsseldorf, München und an der Eberhardstraße in Stuttgart zu.
An diesen Maßnahmen ging laut Felix Horsch kein Weg vorbei, nachdem „ein wesentlicher Auslöser der Krise der unvermittelte Ausfall eines der wichtigsten Lieferanten war, der zu erheblichen Problemen bei Warenverfügbarkeit und Lieferkette führte“. Diese Probleme sind gelöst. Der 49-Jährige blickt nach vorne und ist froh, in dritter Generation das Unternehmen weiterführen zu können. „Horsch steht seit Jahrzehnten für eine besondere Nische: modische Schuhe in Sondergrößen. Über die Jahre entstand daraus eine starke Bekanntheit weit über Stuttgart hinaus – mit Kundinnen und Kunden aus Deutschland, Europa und vielen Teilen der Welt“, sagt Felix Horsch.
Sein Vater Georg habe in der Branche als Pionier für Sondergrößen gegolten. Schon früh habe er die Überzeugung vertreten, dass Kundinnen und Kunden außerhalb der üblichen Standardgrößen nicht auf Mode verzichten müssen. „Dieses Wissen um Größen, Leisten, Passformen, Materialien und Proportionen wurde über Jahrzehnte aufgebaut und innerhalb der Familie weitergegeben“, sagt Felix Horsch. „75 Jahre Erfahrung verschwinden nicht mit einem Insolvenzverfahren. Vieles von dem, was wir heute über Sondergrößen und ihre besonderen Anforderungen wissen, ist über Generationen gewachsen. Genau dieses Know-how nehmen wir mit in die Zukunft.“
Der Beginn des Insolvenzverfahrens sei dennoch ein tiefer Einschnitt gewesen. „Im ersten Moment sieht man natürlich vor allem ein großes Loch. Ein Familienunternehmen, das einen ein Leben lang begleitet hat, steht plötzlich vor einer völlig neuen Situation. Ich bin ja quasi in einem Schuhkarton aufgewachsen.“ Der Dank, aus der Krise gekommen zu sein, gelte vor allem auch Insolvenzverwalterin Nora Sickeler. „Sie hat den Prozess mit viel Erfahrung, Klarheit und gleichzeitig sehr menschlich begleitet. Am Anfang sieht man vor allem das, was wegbricht. Mit ihrer Unterstützung wurden aber in all den schlimmen Monaten nach und nach auch neue Wege und Chancen sichtbar. Dafür bin ich ihr persönlich sehr dankbar“, betont Felix Horsch.
Die alte und bekannte Internetadresse bleibt erhalten – www.horsch-schuhe.de. Auch operativ ist der Neustart vorbereitet: Der Umzug in die neuen Räumlichkeiten ist abgeschlossen. Lager, Versand und Organisation wurden im Stuttgarter Westen neu aufgebaut und bewusst deutlich schlanker strukturiert. „Wir erfinden uns nicht neu. Wir wissen sehr genau, wofür Horsch steht. Aber wir lassen Strukturen hinter uns, die heute nicht mehr passen. Horsch 2.0 wird kleiner, digitaler, frischer und vielleicht auch wieder kreativer“, sagt Felix Horsch.
Mit dabei als Partner und Gesellschafter ist übrigens Dennis Hanninger, der nach 15 Jahren Betriebszugehörigkeit in der alten Firma auch beim Neustart an Bord ist.

