Stuttgart - Welchen Kühlungsbedarf hat Stuttgart in künftigen Hitzewellen? Dieser Frage gehen Wissenschaftler um Bastian Schröter nach. Der Professor für Energietechnik an der Hochschule für Technik in Stuttgart hat vor, in einem gemeinsamen Forschungsprojekt mit der Stadt eine sogenannte Cooling Map zu erstellen. Im Idealfall gibt sie quartiersscharf Auskunft über den Bedarf an aktiver Kühlung.
Bundesweit für Kälteplanungen anwenden
Während sich der noch recht neue Hitzeaktionsplan der Stadt Stuttgart darauf fokussiert, was in Extremsituationen zu tun ist, geht es bei der Cooling Map um ein Tool, das sich nach den drei Jahren Projektlaufzeit bundesweit für Kälteplanungen anwenden lassen soll. Es geht dabei in erster Linie um die gebaute Stadt und die Gebäude. Wie dicht stehen die Häuser, befinden sie sich an einer Hauptstraße, an der nachts schlecht gelüftet werden kann? Wie ist der Sanierungsstand? Nicht alle Daten sind allerdings präzise vorhanden, erklärt Bastian Schröter. So gebe es beispielsweise keine verlässlichen Informationen zum realen Sanierungsstand, statistische Werte müssen genügen. Ermittelt werden soll „der theoretische Kühlbedarf in Kilowattstunden“, so Schröter. „Sie können das dann bis auf Stundeneben ausrechnen.“
Halten die Stromnetze?
Ist der Kühlbedarf ermittelt, lässt sich dies auf den zusätzlichen Strombedarf umrechnen. Eine wichtige Frage dabei: „Würden die Stromnetze das aushalten?“, sagt Schröter. Denn wenn die Hitzewelle Ende Juni eines gezeigt hat: Die Stuttgarter kaufen sich Klimaanlagen, und das wird in Zukunft nicht aufhören, ist Bastian Schröter sicher.
Mit dieser Einschätzung ist der Stuttgarter Forscher nicht allein. Und auch die Verkaufszahlen deuten in diese Richtung. Bereits im vergangenen Jahr haben deutsche Hersteller 75 Prozent mehr Klimaanlagen produziert im Vergleich zum Jahr 2024. Dass der Trend 2026 mindestens anhält, zeichnet sich ab. Es gebe zwar eine erfreuliche Überschneidung zwischen Hitze und Photovoltaik-Energie, sagt Bastian Schröter. Allerdings müsse man die Abende und Nächte mitdenken, wenn die Solarzellen weniger bis nichts mehr liefern. Das Forschungsprojekt will daher auch ermitteln, wie viel Speicherkapazität Stuttgart braucht, um die Kühlung auch in Tropennächten aufrecht zu erhalten.
Das Pilotquartier für die neue Cooling Map ist die Gegend um den Hospitalhof – ein Hotspot in der Stuttgarter Innenstadt. Wenig Grün, viel Beton, viele Straßen und damit Hitzeinseln. Mit ersten Szenarien für das Quartier rechnet Schröter Anfang 2027.
Für die Stadt Stuttgart kommt das Forschungsprojekt wie gerufen. In Berlin ist ein Referentenentwurf auf dem Weg, der für Kommunen eine verpflichtende Kälteplanung vorsieht. Geht er so durch, wie geplant, dann müssten Kommunen mit 45.000 Einwohnern einen Plan vorlegen, wie die Kälteversorgung vorgesehen ist. Dies soll bei der ersten Fortschreibung geschehen.
In Stuttgart ist diese erste Fortschreibung seit Ende 2025 in der Warteschleife. Zunächst wegen Personalmangel, anschließend anlässlich der Berliner Politik. Die Bundesregierung hatte im Februar angekündigt, das Heizungsgesetz zu ändern, das ist inzwischen passiert. Die Fortschreibung der Wärmeplanung in Stuttgart ist nun für Anfang 2027 angekündigt. Womöglich enthält sie dann auch bereits erste Aussagen zum Thema Kühlung der Stadt.

